"Vorstadtweiber": Hausfrauen verzweifeln ab Jänner im ORF

18. Dezember 2014, 17:28
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Neue Serie nach Drehbüchern von Uli Bree startet am 12. Jänner auf ORF eins - Zweite Staffel bereits angekündigt

Wien - Eigentlich können sich Maria, Waltraud, Caroline, Nicoletta und Sabine nicht beklagen: Die fünf Frauen residieren in Wiener Nobelbezirken und geben sich ganz ihrer Wohlstandswelt hin. Doch natürlich trügt dieser Schein, wie die neue ORF-Serie "Vorstadtweiber" zeigt: Vermeintlich heile Ehen, teure Kleider und ein Leben in Luxus können nämlich nur zu rasch der Vergangenheit angehören.

Wer dabei an die "Desperate Housewives" denkt, liegt goldrichtig: Sukzessive erlischt in den zehn Episoden dieser trügerische Schein und tun sich für die Schönen und Reichen Abgründe auf. In den Hauptrollen der von Sabine Derflinger und Harald Sicheritz inszenierten Serie sind Gerti Drassl, Maria Köstlinger, Martina Ebm, Nina Proll und Adina Vetter zu sehen, die augenscheinlich Freude an den diversen, tief schürfenden Auswüchsen ihrer Figuren haben, wie bei der Präsentation des neuen ORF-Formats am Mittwochabend deutlich wurde.

"Stückchen für Stückchen entblößt sich alles"

"Ich habe sie wirklich lieb gewonnen", erzählte Drassl über die gutmütige Maria, die nach und nach dem doppelten Spiel ihres Ehemanns auf die Schliche kommt. "Nach außen hin mache ich gute Miene, aber Stückchen für Stückchen entblößt sich alles und mein eigenes Kartenhaus fällt irgendwann zusammen." Denn statt auf Geschäftsreise in Dubai zu weilen, vertieft sich ihr Gatte in eine Immobilienspekulation in Wien. Zudem werden Marias Versuche, wieder Pepp ins Schlafzimmer zu bringen, barsch abgewiesen. So bleibt oft nur der gemeinsame Tratsch mit den Freundinnen bei einem Glas Sekt oder dem Friseur ihres Vertrauens.

"Am Anfang der Geschichte sind wir zueinander noch nicht sehr ehrlich, weil jede ihre Fassade gerne aufrechterhalten will", beschrieb Drassl die Konstellation zwischen den fünf "Vorstadtweibern". "Aber im Laufe der Zeit zwingen uns die Situationen dazu, Farbe zu bekennen." Und es kommt einiges auf die Hauptcharaktere zu: Das außereheliche Abenteuer mit dem jugendlichen Sohn der besten Freundin, die Auseinandersetzung mit der Tochter des neuen Ehemanns oder der Verlust von Sicherheit, nachdem man vom Partner unversehens vor die Tür gesetzt wurde. So ein Ehevertrag kann aber auch zum Ärgernis werden.

"Jedes Opfer auch Täter und jeder Täter auch Opfer"

Ausgedacht hat sich die verschachtelte Geschichte Uli Bree. "Es wird eigentlich immer voller", bezog sich der Drehbuchautor auf die Komplexität. "Dadurch, dass jeder so vielschichtig ist, behandle ich so viele Stränge. Je länger ich daran schreibe, umso schwieriger wird es, all diese Facetten im Kopf zu haben und sich die Struktur überhaupt noch zu merken." Eine Anlehnung an das US-Format "Desperate Housewives" wollte er nicht unbedingt erkennen, sehr wohl aber an die Machart von amerikanischen Serien generell. "Dort werden Figuren erzählt, die brüchig und überraschend sind. Auch bei uns ist jedes Opfer auch Täter und jeder Täter auch Opfer. Das wollte ich erzählen. Es werden noch ein paar heftige Sachen passieren."

Vielleicht sogar Mörderisches, wie der Auftakt mutmaßen lässt: Die fünf Freundinnen werden bei einem Begräbnis verhaftet, doch bleibt offen, was sich genau zugetragen hat. "Alle Figuren tragen ein Geheimnis", verriet Martina Ebm, die als Caroline von der jungen Geliebten zur neuen Ehefrau des Bankers Hadrian wurde. Was nach Klischee klingt (und von Bree durchaus in verschiedener Form bedient wird), betrachtet Ebm etwas differenzierter. "Man muss den Menschen dahinter sehen. Vielleicht hatte sie auch andere Pläne im Leben. Man sollte das auch von der anderen Seite beleuchten." Wo die Liebe hinfällt, lasse sich schließlich nicht so einfach sagen.

"Serie sehr heutig"

Und das Leben ist oft alles andere als nachvollziehbar, wie Bree betonte. Wenn seine Figuren eigenwillig agieren, sei das "sehr menschlich und deshalb ist die Serie sehr heutig". Die Arbeit daran habe ihm auch deshalb viel Spaß gemacht, "weil ich mir nix scheiß'", schmunzelte der Autor. Wie hat er sich aber als Mann in diese Frauen eingefühlt? "Ich fühle mich grundsätzlich eher in Menschen hinein. Da ist es mir wurscht, ob das eine Frau oder ein Mann ist. Die Figur muss authentisch sein, auch in ihrer Nichtnachvollziehbarkeit."

Neben den fünf Hauptdarstellerinnen hält der namhafte Cast auch Simon Schwarz, Juergen Maurer oder Bernhard Schir bereit, die als Ehemänner vor allem mit ihren Skurrilitäten punkten können. Was Geheimnisse betrifft, stehen sie ihren Frauen jedenfalls in nichts nach. Erkunden lassen sich diese schönen Abgründe ab 12. Jänner um 20.15 Uhr auf ORF eins, wobei zum Start eine Doppelfolge gezeigt wird. Und für Nachschub sollte gesorgt sein: ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner kündigte bereits eine zweite Staffel an. (APA, 18.12.2014)

  • In den Villen Wiens geht es mitunter gar nicht nobel zu:  Gerti Drassl, Maria Köstlinger, Nina Proll, Martina Ebm (von links) sind die  "Vorstadtweiber": zehn Folgen ab 12. Jänner im ORF.
    foto: orf

    In den Villen Wiens geht es mitunter gar nicht nobel zu: Gerti Drassl, Maria Köstlinger, Nina Proll, Martina Ebm (von links) sind die "Vorstadtweiber": zehn Folgen ab 12. Jänner im ORF.

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