Jenen helfen, die am Wohnungsmarkt keine Chance haben

20. Dezember 2014, 10:00
14 Postings

Der Verein Immo-Humana unterstützt schwangere Frauen und alleinerziehende Mütter bei der Wohnungssuche. Besonders nach Weihnachten steigt die Nachfrage an, berichtet Obmann Georg Slawik

Alleinstehende schwangere Frauen und Mütter mit Kindern haben es am angespannten Wiener Wohnungsmarkt am schwersten. Oft scheitert es nicht an der Miete, sondern an einmaligen Zahlungen wie Kaution und Provision, berichtet Georg Slawik. Er hilft mit seinem Verein Immo-Humana seit 1997 Betroffenen bei der Wohnungssuche. Besonders während der Feiertage brechen private Konflikte auf – Wohnungen werden daher dringend benötigt.

STANDARD: Der Wiener Wohnungsmarkt ist angespannt. Was bedeutet das für die Frauen, die zu Ihnen kommen?

Slawik: Für alle Wohnungssuchenden ist es schwierig, eine leistbare Wohnung zu finden, aber diese Frauen haben es am allerschwierigsten. Selbst die, die sich bemühen, kommen nicht durch. Problematisch sind vor allem die einmaligen Kosten – Kaution, Vergebührungen, Provisionen. Wenn sie dafür Geld hätten, bräuchten sie uns nicht.

STANDARD: Bemerken Sie angesichts steigender Wohnungspreise auch eine steigende Nachfrage?

Slawik: Die Nachfrage bei uns ist saisonal unterschiedlich. Nach den Weihnachtsfeiertagen steigt sie merklich an, weil private Konflikte über Weihnachten aufbrechen. Die Not ist groß. Wir haben gerade eine Frau aus Syrien mit drei Kindern in unserem eigenen Begegnungszentrum, einer sehr einfachen Wohnung, untergebracht, weil wir keine Wohnung gefunden haben. Das ist besser, als wenn sie auf der Straße steht. Wer zu uns kommt, muss ein halbstündiges Beratungsgespräch machen. In diesem Gespräch checken wir ganz genau: Ist diese Frau fähig, selbstständig eine Wohnung zu bewirtschaften, und braucht sie unsere Hilfe? Die Frau muss auch mitarbeiten, unsere Arbeit ist sonst viel zu schwer. Und wir können nicht allen helfen. Wir filtern, welche Frau am meisten unsere Hilfe braucht – dann werden wir aktiv bei der Wohnungssuche, und das ist wirklich eine Knochenarbeit.

STANDARD: War 2014 ein erfolgreiches Jahr für den Verein?

Slawik: Wir haben etwa 40 Frauen mit 70 bis 80 Kindern Wohnungen zur Verfügung stellen können. In den Anfangszeiten des Vereins haben wir immer zehn bis zwölf Frauen geholfen, wir haben aber auch schon Spitzenjahre wie 2010 gehabt, in denen wir 80 Müttern Wohnungen vermitteln konnten. Grundsätzlich kann man sagen: Von zehn Frauen, die zu uns kommen, können wir zwei helfen. 2014 war ein erfolgreiches Jahr – auch deshalb, weil uns die Menschen immer wieder finanziell unterstützen. Ohne geht es nicht. Vor einer halben Stunde erst war wieder ein Geschwisterpaar bei uns, das nicht weiß, wie es weitergehen soll. Manchmal geht es um das Substanzielle: keine Wohnung, kein Essen, keine Schulsachen für die Kinder – ganz zu schweigen von einem Schulausflug.

STANDARD: Ihr großes Ziel ist es ja, ein ganzes Haus für die Frauen zu kaufen.

Slawik: Zwei Drittel des Hauses sind schon finanziert. Was wir brauchen, ist ein Eigentümer, der sein Haus veräußern will in Verbindung mit einem guten Zweck. Wir können 900.000 Euro aufbringen. Es ist nicht leicht, jemanden zu finden. Wenn ich geistig spinnen darf – jemand könnte sagen: Mein Haus ist 1,2 Millionen Euro wert, und ich geb es für 900.000 Euro her.

STANDARD: Gibt es schon Kontakte?

Slawik: Mir sind schon Objekte angeboten worden, aber noch nicht das, was wir brauchen. Wir bräuchten ein Objekt in Wien – eine Frau, die zu uns kommt mit ihren Kindern, sollte halbwegs zentral leben. Und das Haus sollte eine gewisse Größe haben. Ich rechne damit, dass wir den Rest des Hauses im kommenden Jahr finanzieren. Dann fehlt uns nur noch das Objekt – aber es wird kommen.

STANDARD: Haben Sie einen Weihnachtswunsch?

Slawik: Zwei Schicksale, die mich besonders berühren: eine Frau aus Armenien, die sehbehindert ist und deren 17-jähriger Sohn im Rollstuhl sitzt. Da haben wir uns bemüht, eine Wohnung im Erdgeschoß oder mit Lift zu finden. Und eine Frau aus Tibet, deren Kind seit einigen Tagen halbseitig gelähmt ist. Für sie haben wir eine Wohnung gefunden. Aber es ist oft nicht nur die Wohnungszuführung – die Frauen kommen ja auch nachher zu uns und bitten um unsere Hilfe. Mein Wunsch wäre, dass diesen beiden Frauen finanziell ein wenig geholfen, dass ihnen Weihnachten ein bisschen verschönert wird. Dass man ihnen das Gefühl gibt: Wir denken an euch. Viele, die zu uns kommen, sagen: Wir kommen auf kein Amt, wir kommen zu Freunden. Das ist sicherlich ein Mehraufwand für uns, weil wir nicht nur Wohnungen vergeben, sondern weil die Frauen uns mehr lieben und schätzen, als wir manchmal schaffen können. Aber dann kommen sie auch zu Weihnachten und bedanken sich für die Hilfe, die sie erhalten haben – weil sie wissen, sie hätten es alleine nicht geschafft. (Franziska Zoidl, derStandard.at, 20.12.2014)

Georg Slawik ist Immobilientreuhänder und Gründer und Obmann von Immo-Humana, einem Verein für Mütter in Wohnungsnot.

Link

Immo-Humana

Nachlese

Ölbild gegen Spende für Mütter in Wohnungsnot

Information

Bis 24. Dezember um 15 Uhr kann der Verein noch in der Weihnachtsstube in der Burggasse 44, 1070 Wien besucht und durch den Kauf von Weihnachtsgestecken und Bildern unterstützt werden.

  • Wohnungssuche in Wien – für die betroffenen Frauen ein Ding der Unmöglichkeit.
    foto: apa/helmut fohringer

    Wohnungssuche in Wien – für die betroffenen Frauen ein Ding der Unmöglichkeit.

  • Unterstützt die Frauen bei der Wohnungssuche: Georg Slawik.
    foto: immo-humana

    Unterstützt die Frauen bei der Wohnungssuche: Georg Slawik.

Share if you care.