Kühne harmonische Reibungen

18. Dezember 2014, 17:14
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Bill Holman & the kons.wien.jazzorchestra im Wiener Porgy & Bess

Die öffentliche Generalprobe im intimen Souterrain-Club Zwe in der Floßgasse, den die sardinengleich aneinandergepresste Besucherschaft mühelos in eine Konzertsauna verwandelte, verlief vielversprechend: Das kons.wien.jazzorchestra intonierte Stücke aus dem Repertoire Bill Holmans - unter der persönlichen Leitung des legendären Komponisten und Arrangeurs.

Der 87-jährige Bill Holman ist nach Gästen wie Jim McNeely, Bert Joris und Bob Mintzer zweifellos das prominenteste Bigband-Schwergewicht, das Jazz-Studiengang-Leiter Roman Schwaller bis dato an die Konservatorium-Wien-Privatuniversität locken konnte. Holman, gebürtiger Kalifornier, gelernter Tenorsaxofonist, galt in den 1950er-Jahren als führender Arrangeur des West Coast Jazz. Später schrieb er für die Jazzgesang-Elite von Sarah Vaughan und Carmen McRae über Ella Fitzgerald bis hin zu Tony Bennett. Auch als Filmmusikkomponist war der zweifache Grammy-Gewinner tätig, zudem rief er immer wieder seine eigene Bill Holman Band zusammen, mit der er zuletzt 2002 im Wiener Konzerthaus gastierte.

Holmans charakteristische klingende Handschrift war am Mittwochabend im Zwe anschaulich nachzuvollziehen: Swingender Bigband-Jazz, gut geerdet in der Tradition, der aber doch - etwa in Ready Mix, 1966 für die Buddy Rich Bigband komponiert - immer wieder durch unerwartet kühne harmonische Reibungen die Ohren spitzen lässt. Und etwa im kunstvollen polyphonen Arrangement des alten Jazzstandards Just Friends zu einem Orchesterstück von beinahe sinfonischen Ambitionen mutiert.

Dazwischen ertönt auch der eine oder andere Christmas Song: ein bunter Strauß an Klängen, der heute, Freitag, auch im Porgy & Bess auf dem Programm steht. (felb, DER STANDARD, 19.12.2014)

Porgy & Bess, 1., Riemergasse 1, 20.30

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