Sonntagsöffnung: Gewerkschaft kontert mit Urabstimmung

18. Dezember 2014, 12:08
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Bis zu 30.000 Wiener Angestellte werden im ersten Quartal 2015 befragt – Bisher kein Gesprächsangebot der Wirtschaftskammer

Wien - Nachdem die Wiener Wirtschaftskammer (WKW) kürzlich ihre Mitglieder zur Sonntagsöffnung befragt hat, kontert die Gewerkschaft nun mit einer Urabstimmung unter den Handelsangestellten. Denn die Stimme der betroffenen Beschäftigten müsse ebenso Gehör finden wie jene der Wirtschaftstreibenden, hieß es. Bis zu 30.000 Mitarbeiter sollen im ersten Quartal 2015 ihre Meinung zum Thema kundtun können.

Fragebögen für 30.000 Angestellte

In der Bundeshauptstadt gilt für gut 90.000 Angestellte der Handelskollektivvertrag. Fragebögen werden allerdings nur geschätzte 25.000 bis 30.000 erhalten, kündigte Barbara Teiber, Regionalgeschäftsführerin der GPA-djp Wien (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus), am Donnerstag in einer Pressekonferenz an. Denn fragen will man nur den klassischen Einzelhandel - also etwa die Bereiche Lebensmittel, Textil, Möbel oder Drogerie. Großhändler etwa aus der Auto- oder Baustoffbranche lässt man außen vor.

Konkret will die Gewerkschaft wissen, ob die Betroffenen für oder gegen die Sonntagsöffnung bzw. die Schaffung von Tourismuszonen in Wien sind. Die Wirtschaftskammer hatte kürzlich die Unternehmer dazu befragt. Knapp drei Viertel sprachen sich für eine Aufsperrmöglichkeit am Sonntag aus - bei einer Rücklaufquote von 16 Prozent. "Die Latte für die Beteiligung liegt ja nicht sehr hoch", höhnte Karl Proyer, stellvertretender GPA-Bundesgeschäftsführer, heute. Auf eine angestrebte Beteiligungsquote wollte er sich heute nicht einlassen. Man wolle aus dem Ergebnis aber jedenfalls einen klaren Verhandlungsauftrag ableiten können.

In welche Richtung es geht, glaubt die Gewerkschaft mit Verweis auf eine kürzlich in Auftrag gegebene Umfrage des IFES-Instituts bereits zu wissen. 800 Angestellte im Einzelhandel wurden befragt, nur 12 Prozent davon hätten angegeben, am Sonntag arbeiten zu wollen. Auch nach dem Hinweis auf mehr Geld und Zeitausgleich sei die Zahl nur unwesentlich auf 17 Prozent gestiegen, so Georg Michenthaler von IFES. Generell liege die Bereitschaft zur Sonntagsarbeit bei jungen männlichen Mitarbeitern und bei Führungskräften etwas über dem Durchschnitt. "Die Stimmungsmache des Herrn (WKW-Präsident Walter, Anm.) Ruck ist eine Stimmungsmache nur für die Tourismuswirtschaft und gegen die Meinung der Handelsangestellten", analysierte Proyer.

Kein Zeitdruck

Laut Personalvertretung gibt es nach wie vor keinen Gesprächstermin mit Vertretern der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer: "Wir sind gespannt, ob überhaupt ein Angebot kommt." Proyer verwies darauf, dass die kollektivvertraglichen Zuschläge (doppeltes Gehalt) für Sonntagsarbeit keinesfalls für alle gelten: "Im Handel ist es möglich, Arbeitskräfte nur für das Wochenende aufzunehmen" - und diese fielen eben nicht in die Zuschlagsregelung. "Ohne entsprechende Vorschläge braucht die Wirtschaftskammer überhaupt nicht zu uns kommen", stellte Proyer klar. Eilig hat es die Gewerkschaft sowieso nicht: "Wir lassen uns auch vom Song Contest nicht besonders unter Zeitdruck setzen." (APA, 18.12.2014)

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