EU-Annäherung: Wie Österreich Moldaus IT-Sektor fördert

19. Dezember 2014, 07:00
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Die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit will helfen, Fachkräfte im Land zu halten

Hunderttausende Moldauer leben in der EU, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit will nun die Berufsorientierung für Jugendliche in Moldau verbessern, auch um Möglichkeiten im eigenen Land zu schaffen und damit diese nicht emmigrieren müssen. Der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA) ist es insbesondere ein Anliegen, die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben und den Berufsausbildungseinrichtungen zu verbessern. Denn während viele junge Leute in Moldau Jus oder BWL studierten, fehlen etwa gut ausgebildete Handwerker und die dazu gehörenden Berufsschulen in dem osteuropäischen Staat.

Künftig soll mittels der Initiative der ADA in allen Schulen eine Berufsorientierung angeboten werden und vermehrt Betriebe auch in die Schulen kommen, erklärt Gerhard Schaumberger, der Leiter des Auslandsbüros der ADA in Moldau. "Firmenvertreter sollen auch aus der Praxis erzählen." Gerade werden neue Curricula und Materialien für den Unterricht entwickelt. "Damit soll auch Unternehmertum gefördert werden und talentierten Jugendlichen Mut gemacht werden, den Schritt in die Selbständigkeit durchaus zu wagen", so Schaumberger zu derStandard.at.

Der ADA ist es auch gelungen, die wichtigsten Akteure in diesem Prozess zu vernetzen. So ist etwa auch das moldauische Arbeitsamt Teil des Projekts. Das ADA-Projekt startet gerade und wird drei Jahre dauern. Die Republik Österreich finanziert die Initiative mit 650.000 Euro. Auf der Seite der Unternehmer wird es als positiv gesehen, dass im Zuge der EU-Annäherung die Visa für die Schengenländer weggefallen sind. "Ich kann dadurch viel besser auf Projektausschreibungen reagieren und schnell ins Flugzeug steigen", sagt etwa Eugeniu Hristev, Generaldirektor der IT-Firma Trimetrica in Chisinau.

IT-Fachkräfte sollen zurückkehren

Er hofft, dass durch die Bestätigung des proeuropäischen Kurses der Regierung, auch mehr Anreize für ausgebildete IT-Fachkräfte aus Moldau entstehen, wieder in ihr Land zurückzukehren. Hristev ist ein Pionier in seinem Bereich, er hat mit seinen Mitstreitern den Aufbau einer Verbindung von Ausbildung und wirtschaftlicher Initiative selbst in die Hand genommen. In Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität in Chisinau wurde ein Lab eingerichtet, um die Ausbildung an die Bedürfnisse der Wirtschaft anzupassen. "Experten sagen, dass nur 30 Prozent der Ausbildung im IT-Sektor den Bedürfnissen des Marktes entsprechen", so Hristev.

In Moldau gibt es auch aufgrund der alten, noch aus dem Kommunismus stammenden Strukturen wenig Reformgeist, der von oben kommt. "Wir haben vor elf Jahren mit unserem Business begonnen", erzählt Hristev derStandard.at. "Damals waren wir nur eine Handvoll Leute, ein Professor an der Universität war begeistert und so wurden neue Unterrichtsformen und technisches Wissen seit 2005 ins Studium eingebaut."

Geringe Löhne für Professoren, aber großer Einfluss

Die Initiative zu einer dualen Ausbildung im IT-Sektor wurde finanziell von der Königlichen Akademie in Schweden unterstützt. "Es ging uns darum Technologie hierher zu bringen", erzählt Hristev. "Die Curricula kamen aus Schweden und den USA." Die ersten Abgänger des Studienprogramms arbeiten heute bereits bei Hristev in der Firma. Der IT-Sektor ist mittlerweile einer der wenigen Bereiche in Moldau, wo die Löhne angemessen sind und es eine echte Konkurrenz auf dem Markt gibt. Der Durchschnittslohn liegt bei 500 Euro. "Die guten Programmierer können aber 1.000 Euro und mehr verdienen", so Hristev. Für junge Moldauer, die im IT-Sektor arbeiten, zahlt es sich deshalb aus, zu Hause zu bleiben und nicht zu emigrieren, etwa wenn manche für Firmen im Ausland programmierten. In Hristevs Unternehmen arbeiten zwölf Leute. Er hofft, dass die EU hilft, diese Initiative auf andere Universitäten auszudehnen.

"Eines der größten Probleme sind die Löhne der Professoren, die sind einfach nicht motiviert. Andererseits haben wir gesehen, dass ein Professor schon ganz viel ändern kann." Hristev ist dafür, dass man die Autonomie der Universitäten ausbaut, damit man auch von der Wirtschaft Gelder akquirieren kann und die Qualität der Studien steigt. Auch in den Schulen sollen jetzt zwar mehr Computer zur Verfügung gestellt werden. Doch Hristev befürchtet, dass die Lehrer nicht wirklich in der Lage sind die Schüler in der Materie zu unterrichten. "Oft sind die Kinder ja besser, wenn es um IT-Kenntnisse geht." (Adelheid Wölfl, derStandard.at, 18.12.2014)

  • Die staatliche Bogdan-Petriceicu-Hasdeu-Universität in Cahul: Viele BWL-Studenten, aber wenige IT-Fachkräfte werden in Moldau ausgebildet.
    foto: wikimedia/încărcată de caminodeleste (public domain)

    Die staatliche Bogdan-Petriceicu-Hasdeu-Universität in Cahul: Viele BWL-Studenten, aber wenige IT-Fachkräfte werden in Moldau ausgebildet.

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