US-Regierungskreise: "Nordkorea steht hinter dem Sony-Hack"

17. Mai 2015, 12:19
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Regierung zeigt sich sicher über Urheberschaft - Allerdings bisher auch viele offene Fragen und Zweifel

Der Cyber-Angriff auf das Hollywood-Studio von Sony ist nach Angaben aus US-Regierungskreisen von Nordkorea in Auftrag gegeben worden. Die Ermittler seien zu dem Schluss gekommen, dass die Führung in Pjöngjang für die Computer-Attacke verantwortlich sei, verlautete am Mittwoch aus Regierungskreisen in Washington.

Entscheidungsfindung

Laut einem Bericht der New York Times sei man sich derzeit aber noch nicht sicher, wie auf diese Erkenntnis reagiert werden soll. Eine öffentliche Beschuldigung durch US-Präsident Obama würde die Frage nach sich ziehen, welche Konsequenzen eigentlich daraus resultieren sollen. Denn eine Verschärfung der Konfrontation mit Nordkorea könnte durchaus im politischen Interesse des diktatorisch regierten Landes sein, gleichzeitig aber auch sehr konkrete negative Folgen haben. So befürchten japanische Diplomaten, dass die ohnehin schon schwierigen Verhandlungen über die Rückkehr jener japanischen Bürger, die vor einigen Jahren entführt wurden, gänzlich zusammenbrechen könnten.

Beweislage?

Außerdem würde sich automatisch die Frage auftun, wie sich die USA sicher sein können, dass Nordkorea hinter dem Hack steht. Also müsste man Beweise liefern, die eventuell Einblick in die Quellen oder Methoden der US-Behörden geben würden. Aus dem selben Grund hatte man in der Vergangenheit meist öffentliche Statements zu den Urhebern von Cyber-Attacken vermieden. So war aus Regierungskreisen in der Vergangenheit zwar zu vernehmen, dass Russland hinter früheren Angriffen auf das Weiße Haus und das State Department stecke - in einer offiziellen Stellungnahme wurde diese Behauptung aber nie aufgestellt.

Spurensuche

So bleibt der weiteren Öffentlichkeit nur ein Blick auf die bisher verfügbaren Fakten, und tatsächlich weisen hier einige Spuren in Richtung Nordkorea. Die verwendete Schadsoftware zeigt starke Ähnlichkeiten zu jener Malware auf, die im vergangenen Jahr für einen Angriff gegen südkoreanische Banken genutzt wurde. Bei all dem geht es vornehmlich um die Frage, wer den Auftrag zum Einbruch bei Sony Pictures gegeben hat. Die ausführenden Hacker werden hingegen nicht in Nordkorea selbst sondern in China oder dem Iran vermutet.

Insiderhilfe

Eine der zentralen Fragen, der die Recherchen bei Sony Pictures derzeit nachspüren, ist, ob die Hacker Hilfe eines Insiders bei dem Konzern hatten. Diese Vermutung liegt nahe, da der eingesetzte Schädling eine Liste interner Server enthielt, die er ganz gezielt angegriffen und übernommen hat. Allerdings könnte dieses Wissen natürlich auch aus einem früheren - unbemerkt gebliebenen - Hack resultiert sein, wie Sicherheitsexperten betonen.

Hintergrund

In den USA war schon seit Wochen darüber spekuliert worden, ob Nordkorea hinter dem Hackerangriff stecken könnte. Denn in der Komödie "The Interview, die eigentlich ab dem 25. Dezember landesweit in die US-Kinos kommen sollte, geht es um fiktive CIA-Pläne zur Ermordung von Staatschef Kim Jong Un. Die Regierung in Pjöngjang hatte den Film bereits als "Kriegshandlung" verurteilt, gleichzeitig aber betont, dass man den Hack nicht durchgeführt habe.

Zweifel

Unterdessen sind längst nicht alle davon überzeugt, dass tatsächlich Nordkorea hinter dem Hack steckt. Ist die bislang bekannte Beweislage doch reichlich dürftig, und wirft einige Fragen auf, wie Wired betont. So sei etwa in der ersten Mitteilung der Hacker noch kein Wort über "The Interview" verloren worden, das Narrativ mit dem Films als Ursache sei erst später hinzugekommen - und könnte schlicht auch eine Ablenkung für die wahren Hintergründe sein. (red/Reuters, derStandard.at, 18.12.2014)

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    foto: itsuo inouye / ap
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