Putin: Wirtschaftskrise in Russland könnte zwei Jahre andauern

18. Dezember 2014, 12:10
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Russlands Präsident vergleicht NATO-Osterweiterung mit Errichtung von Berliner Mauer

Moskau - Kremlchef Wladimir Putin hat bei seiner Jahrespressekonferenz seine Sicht der Dinge auf die Weltpolitik dargelegt. In diesem Zusammenhang verglich Putin am Donnerstag die NATO-Osterweiterung mit der Errichtung einer neuen, virtuellen Berliner Mauer. Russlands Vorgehen im Ukraine-Konflikt begründete er damit, den Partnern zeigen zu wollen, dass sie mit dem Errichten einer Mauer aufhören sollen.

Ein weiteres Mal unterstrich Putin, dass die Rebellen in der Ostukraine nicht von Russland angeleitet würden, sondern sich selbst organisieren. Die Vorgänge in Kiew, die zum Umsturz der Janukowitsch-Regierung führten, bezeichnete er als Putsch. Die derzeitige Militäroperation der Ukraine sei eine Strafmaßnahme gegen den Osten des Landes. Er hoffe, dass der Konflikt so schnell wie möglich beigelegt werden könne.

Um Russlands Rolle in der Welt zu beschreiben, griff Putin zu Metaphern: Der russische Bär werde sich nicht die Krallen entfernen und zähmen lassen, um zu einem ausgestopften Tier zu werden.

Einschnitte im Budgethaushalt möglich

Putin bereitete die Russen gleichzeitig auf eine längere Dauer der gegenwärtigen Krise vor. Die Wirtschaftsprobleme könnten bis zu zwei Jahre dauern, der Rubel könne bei einem fallenden Ölpreis weiter an Wert verlieren, warnte Putin. Die Lage könne sich aber auch bereits vorher bessern.

Auch Einschnitte im Budget seien möglich, sagte Putin. Trotzdem werde das Land seinen sozialen Verpflichtungen nachkommen. Die Währungsreserven der Zentralbank und die Polster der Regierung seien solide. "Die Lage wird sich in die Bahnen lenken", meinte er vor hunderten Journalisten.

Allein an Währungsreserven hat Russland nach Darstellung von Putin rund 419 Milliarden US-Dollar (336,6 Milliarden Euro). Er lobte die jüngsten Schritte der Zentralbank und der Regierung zur Stützung des Rubel als angemessen. Bei seiner zehnten großen Jahrespressekonferenz im World Trade Center in Moskau kündigte der Präsident auch an, die Abhängigkeit des russischen Budgets vom Ölverkauf zu reduzieren. "Anders wird es nicht funktionieren", sagte Putin.

Schwerste Wirtschaftskrise seit 16 Jahren

Da die Weltwirtschaft weiter wachse, sei es unausweichlich, dass Russland die Krise überwinde, sagte Putin. Die russische Notenbank hatte nach einem ersten Kurssturz am Montag in einer nächtlichen Sitzung den Leitzins drastisch angehoben, dadurch aber den freien Fall des Rubel nicht aufhalten können. Am Mittwoch konnte das Finanzministerium mit einem massiven Devisenverkauf die Talfahrt bremsen.

Russland kämpft derzeit mit der schwersten Wirtschaftskrise seit 16 Jahren. Seit Beginn des Jahres verlor der Rubel rund 40 Prozent seines Werts, zwischenzeitlich waren es sogar rund 60 Prozent. Gründe sind die Wirtschaftssanktionen des Westens wegen Russland Rolle in der Ukraine-Krise und der Verfall des Ölpreises. Die Bevölkerung leidet seit Monaten unter steigenden Preisen. Viele Russen versuchten in den vergangenen Tagen, ihr Erspartes auszugeben.

Partnerschaft mit China

Dass Russland sich nun stärker in Asien engagieren werde, sei lange geplant gewesen, erklärte Putin. Zur Gaspipeline mit China sagte er: "Der neue Vertrag mit China ist kein Verlustgeschäft. Beide Seiten werden davon profitieren."

Vier Stunden lange Pressekonferenz 2013

Als absoluter Profi überließ Putin nichts dem Zufall. Der Präsident habe sich intensiv auf die im Staatsfernsehen live übertragene Fragestunde vorbereitet, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow.

Es war bereits die zehnte Pressekonferenz dieser Art in Putins 15 Jahren an der Macht. Im vergangenen Jahr dauerte das Spektakel im World Trade Center am Fluss Moskwa mehr als vier Stunden. Zu dem diesjährigen Großereignis waren mehr als 1.200 Journalisten aus dem In- und Ausland angemeldet. (red, Reuters, APA, 18.12.2014)

  • Wladimir Putin bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag.
    foto: reuters/zmeyev

    Wladimir Putin bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag.

  • Großaufgebot an Journalisten.
    foto: apa/epa/rioa novosti

    Großaufgebot an Journalisten.

  • foto: reuters/ria novosti


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