Länder bestimmen Mautsystem mit

17. Dezember 2014, 18:41
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Asfinag sucht neuen Anbieter

Wien - Deutschland strebt auf den Höhepunkt der Schlacht um die Pkw-Maut zu, in Österreich dürfte sich ebenfalls eine Auseinandersetzung anbahnen. Hierorts freilich nicht wegen EU-Rechtskonformität und Diskriminierung von EU-Ausländern, sondern um die Entscheidung der Bundesländer, auf vormaligen Bundesstraßen (sie gingen vor Jahren in die Hoheit der Länder über, sind nun also Landesstraßen) eine Lkw-Maut einzuheben. Die Entscheidung über das Anzapfen neuer Geldquellen ist zwar eine politische, sie bleibt aber nicht ohne Auswirkung für den staatlichen Autobahnen- und Schnellstraßenbauer Asfinag.

Denn entscheiden sich die finanziell klammen Bundesländer für die Einführung eines satellitengestützten GPS-Systems, stünde die Asfinag mit ihrer mikrowellengestützten Technologie ohne Schnittstellen da und der Aufschrei der Transportwirtschaft wäre programmiert.

Warum dies jetzt pressiert und es einer politischen Entscheidung bedarf? Weil die bereits einmal verlängerten Betriebsverträge der Asfinag mit ihren Dienstleistern wie Kapsch Traffic.com (KTC) und Raiffeisen Informatik 2018 endgültig auslaufen. Um die Systemumstellung fehler- und ausfallsfrei ab 2019 zu gewährleisten und allfällige Mautausfälle hintanzuhalten, beginnt die Asfinag im neuen Jahr mit einer dreiteiligen Ausschreibung "Go Maut 2.0" wobei man beim Herzstück Mauttechnik, also System mit Infrastruktur für Mauterfassung und Transaktionen samt Abbuchungsstationen bis Juli zuwarten könne. Da GPS ohne Über-Kopf-Anlagen auskommt, scheint es für den Einsatz auf tausenden Kilometern Landstraße prädestiniert.

Die Asfinag hingegen bevorzugt das bewährte und mit einer Erfassungsquote von 99,76 Prozent de facto ausfallsichere Mikrowellensystem. "Jeder Tag ohne Mautsystem kostet uns zwölf Millionen Euro", sagt Finanzchef Klaus Schierhackl mit Blick auf eine Milliarde Einnahmen pro Jahr. Mit rund hundert Millionen Anschaffungspreis würde man bei Umstellung auf GPS nicht auskommen. Es wären ja auch die Onboard-Units zur Mauterfassung in den Lkws auszutauschen, jährlich Betriebskosten von rund 23 Mio. Euro nicht inkludiert. (ung, DER STANDARD, 18.12.2014)

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