UN-Anti-Terror-Experte: Ein Wiener "Jihad-Mädchen" tot  

17. Dezember 2014, 17:51
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Ein hochrangiger Mitarbeiter des UN-Sicherheitsrats behauptet, dass eines der beiden Wiener "Jihad-Mädchen" in Syrien ums Leben gekommen ist

Tel Aviv / Wien - Es ist die erste Meldung im Zusammenhang mit den beiden Wiener "Jihad-Mädchen", die so etwas wie offiziellen Charakter hat. Und es ist keine gute Nachricht: Eine der Jugendlichen sei in Syrien ums Leben gekommen, die andere verschwunden, sagte ein hochrangiger Experte des Anti-Terror-Komitees des UN-Sicherheitsrates (CTED) dem israelischen Internetportal ynet.

Konkret erklärte David Scharia, der UN-Mitarbeiter aus Israel: "Wir haben kürzlich die Information über zwei 15-Jährige aus Bosnien stammende Mädchen erhalten, die aus Österreich, wo sie in den vergangenen Jahren gelebt haben, ausgereist sind. Sowohl ihre Familien als auch die Geheimdienste beider Länder suchen nach ihnen. Sie wurden vom Islamischen Staat rekrutiert. Eine ist bei Kämpfen in Syrien umgekommen, die andere verschwunden."

Weitere Details und auch die Antwort auf die offene Frage, welches der Mädchen tot sei, blieben offen. Eine Bestätigung für die Uno-Angaben gibt es nicht. Aus dem heimischen Innenministerium hieß es am Mittwoch, man kommentiere grundsätzlich keine Einzelfälle. Die weltweite Fahndung nach beiden Mädchen bei Interpol war am Mittwoch jedenfalls noch aufrecht.

Zweifelhafte Medienberichte

Wie berichtet, waren die beiden Wienerinnen Samra K. und Sabina S. - ihre Eltern sind bosnische Flüchtlinge - im April verschwunden. Zuvor hatten sie Freundinnen anvertraut, in Syrien kämpfen zu wollen. Mit dem Flugzeug sollen sie zuerst nach Ankara und dann weiter ins südtürkische Adana gereist sein. Danach verlor sich ihre Spur.

Es gab aber immer wieder Lebenszeichen von den beiden, doch deren Authentizität war nie geklärt. Mehrere Medien spielten dabei eine eher zweifelhafte Rolle. In einem SMS-Interview beispielsweise mit dem französischen Magazin Paris Match gab Sabina K. an, sie und ihre Freundin hätten zu Fuß die Grenze nach Syrien überquert und wären mittlerweile mit Kämpfern verheiratet. Ob es tatsächlich Sabina war, die da schrieb, konnte freilich nie überprüft werden.

Gleiches gilt für die Social-Media-Profile der Mädchen. Wahrscheinlich bedienen sich Terrorgruppen der Identität, um Propaganda zu verbreiten.

Der im Zuge einer Großrazzia in Österreich festgenommene Prediger Mirsad O. alias "Ebu Tejma" wurde auch bereits in Zusammenhang mit den beiden Mädchen gebracht. Für die in mehreren Medien verbreitete Behauptung, er habe sie radikalisiert, gibt es aber keine Beweise. Er bestreitet den Vorwurf entschieden und hat Klagen gegen Medien eingebracht.

Laut Verfassungsschutz gibt es bereits 169 Fälle von mutmaßlichen Jihadisten, die Österreich in Richtung Syrien verlassen hätten, um aufseiten des "Islamischen Staates" (IS) an den Kämpfen teilzunehmen - aber rechtzeitig abgefangen worden seien. (APA, simo, DER STANDARD, 18.12.2014)

  • Mit diesen Bildern fahndet Interpol weiterhin nach Samra K. und ...
    foto: interpol

    Mit diesen Bildern fahndet Interpol weiterhin nach Samra K. und ...

  • ... Sabina S. Laut einem UN-Mitarbeiter ist eine der beiden nicht mehr am Leben. Welche, ist unklar.
    foto: interpol

    ... Sabina S. Laut einem UN-Mitarbeiter ist eine der beiden nicht mehr am Leben. Welche, ist unklar.

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