Kein Giebel unter dem Schuldach: Raika muss Jugend-Werbung zurückziehen

17. Dezember 2014, 15:54
14 Postings

Unterlassungsvergleich nach Klage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums

Wien – Ihre mehr als aufdringlichen Werbepraktiken an Schulen wird die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien einstellen. Dazu hat sich das Geldinstitut jetzt in einem Unterlassungsvergleich verpflichtet. Wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb hatte der Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums geklagt. Eltern von Schülern aus Wien hatten sich beim VKI wegen der aggressiven Werbung beschwert.

So erschienen Vertreter des Geldinstituts in Klassen der Unterstufe und unterbreiteten den Schülern ein verlockendes Angebot: Wer bei der Raiffeisenlandesbank ein Jugendkonto eröffnet, erhält als Dankeschön einen trendigen Rucksack. Um sich das Präsent – welches sich der Schüler mit einem Erziehungsberechtigten bei der Kontoeröffnung in ei ner Filiale abholen muss – rechtzeitig zu sichern, verlangte der Bankmitarbeiter jedoch umgehend eine Gegenleistung: ein schriftlich bestätigtes Überlassen persönlicher Daten des Schülers und deren Verwendung für Marketingzwecke.

Werbeauftritte in der Schule

Möglich wurde dieses Bewerben des Jugendkontos während des Unterrichts durch "Sponsoringvereinbarungen" der Bank mit den Schulen im Wert von 2000 Euro pro Jahr. Neben dem Aufhängen von Plakaten in Schulgebäuden sowie bei Veranstaltungen waren dabei auch jene Werbeauftritte im Umfang von bis zu zehn Unterrichtsstunden inbegriffen. "Wenn die für Bildung vorge sehene Unterrichtszeit für Werbe zwecke missbraucht wird, ist ganz klar eine Grenze überschritten", stellt VKI-Juristin Ulrike Docekal klar. Im konkreten Fall handle es sich um "eine klar aggressive Geschäftspraktik". Daher hält sie "eine Einschränkung von Schulwerbung sowie deren Kontrolle von übergeordneten Stellen für dringend geboten".

Keine Werbung für Tabak, Alkohol, Parteien

Grundsätzlich wurde Werbung in Schulen 1997 durch eine Liberalisierung des Gesetzes zulässig. Die Entscheidung über Werbung oder Sponsoring liegt demnach beim Schuldirektor. Als Gegenleistung gibt es dafür meist ein aufgebessertes Schulbudget oder Sachleistungen wie Computer. Laut Unterrichtsministerium gebe es aber sehr wohl allgemeingültige Richtlinien, die die Schulautonomie einschränken. So darf keine Werbung für Tabak, Alkohol, religiöse Bewegungen oder politische Parteien gemacht werden. Auch der Unterricht darf in keiner Weise durch Werbung beeinträchtigt werden.

Erst im November hatte der VKI einen Rechtsstreit gegen die Verteilung werbelastiger Mitteilungshefte an Schulen in zweiter In stanz gewonnen. An 800 Volksschulen hatten Kinder jene Hefte, in denen von 60 Seiten 19 nur Inserate waren, erhalten. Das Oberlandesgericht Wien untersagte jegliche Werbung in Mitteilungsheften. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 18.12.2014)

  • Alles andere als verwässert war die Werbung der Raika an Schulen. Die Bank bedrängte Schüler.
    reuters

    Alles andere als verwässert war die Werbung der Raika an Schulen. Die Bank bedrängte Schüler.

Share if you care.