Ist Spielen am Nintendo gefährlich?

17. Dezember 2014, 13:42
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Nein, wenn man regelmäßig Pausen macht und auf seine Umgebung achtet, so dänische Forscher. Mögliche Verletzungen sind harmlos und sehr selten

Eine neue Nintendo-Konsole gibt es zwar nicht, wie jedes Jahr überbieten sich die Händler aber mit Aktionen in der Vorweihnachtszeit. Nachdem in letzter Zeit immer wieder über Verletzungen berichtet wurde, hat ein dänisches Forscherteam untersucht, wie gefährlich das Gamen wirklich ist. Ihre Überblicksarbeit wurde in der traditionell launig gehaltenen Weihnachtsausgabe des "British Medical Journal" ("BMJ") veröffentlicht.

Mögliche Schäden

Für ihre kuriose Studie fanden die Forscher 38 wissenschaftliche Artikel zum Thema Nintendo. Berichtet wurden durch Unfälle und exzessives Spielen verursachte Verletzungen bis hin zu möglichen neurologischen und psychischen Schäden – die meisten davon allerdings sehr selten.

So berichten ältere Studien von Krämpfen ("Nintendo-Epilepsie") und zwei Fällen von Inkontinenz, bei denen Kinder so in Super Mario vertieft waren, dass sie völlig vergaßen, dass sie eigentlich aufs Klo müssen. Probleme in Daumen und Handgelenk wurden unter dem Begriff der "Nintendinitis" oder "Nintendonitis" zusammengefasst.

"Nintendo-Hals" und -"Ellenbogen"

1991 wurde erstmals vom "Nintendo-Hals" berichtet, unter dem ein Kind nach nur 30 Minuten am Gameboy, Haltung "darüber gebeugt", gelitten habe. Bei einem Zwölfjährigen wiederum wurde der "Nintendo-Ellbogen" beobachtet, nachdem er "sehr häufig" über einen Zeitraum von einem Monat gespielt hatte. Mittels entzündungshemmender Mittel und längerer Ruhepausen ging es ihm demnach rasch wieder besser.

Weil Nintendo mit mehr als 90 Beschwerden konfrontiert wurde, legte die Firma dem Spiel "Mario Party" (1998), bei dem mehrere menschliche Spieler in verschiedenen Minispielen gegeneinander antreten, eigene Schutzhandschuhe bei. So sollten Schäden am Daumen durch besonders schnelles Drehen des Joysticks vermieden werden.

Wii Sports gefährlich?

Ende 2006 schließlich kam die Nintendo Wii auf den Markt – mit einem damals völlig neuartigen Controller, der wie eine Fernbedienung aussieht und mit Bewegungssensoren ausgestattet ist. Im populären Spiel "Wii Sports" schwingen die Spieler die Fernbedienung, um etwa Tennis zu spielen oder zu boxen.

Ein 29-Jähriger zog sich nach mehreren Stunden intensiven Spielens eine Sehnenentzündung der rechten Schulter zu – die später als "Wiitis" bezeichnet wurde. Auch ein Fall des Karpaltunnelsyndroms wurde festgestellt, nachdem eine Frau über zehn Tage hinweg jeweils sechs bis acht Stunden virtuell gekegelt hatte. Auch über zwei partielle Risse der Achillessehne wurde berichtet ("Achilles Wiitis").

Insgesamt war Tennis der gefährlichste Wii-Sport, der laut den Studien immer wieder zu Stürzen und blauen Flecken führte. Sogar einige lebensbedrohliche Verletzungen wurden gemeldet: Eine 55-jährige Frau zog sich bei einem Sturz über ihr Sofa eine Blutung in der Brust, ein anderer Spieler einen Leistenbruch zu. Auch zwei Herzinfarkte wurden verzeichnet.

Verletzungen harmlos und selten

Wie die Studienautoren aber ausdrücklich betonen, ist die überwiegende Mehrheit der Verletzungen harmlos und angesichts der hohen Zahl verkaufter Nintendo-Konsolen auch überaus selten. Außerdem warnt Nintendo mittlerweile längst vor möglichen Schäden bei exzessivem Spielen und empfiehlt regelmäßige Pausen.

"Insgesamt ist ein Nintendo ein recht sicheres Weihnachtsgeschenk. Dennoch sollten Spieler achtgeben, den Controller nicht zu sehr schwingen, auf ihre Umgebung aufpassen und häufige Pausen einlegen", heißt es im Fazit der Studie. Ältere Studien zeigen sogar einen gesundheitsfördernden Effekt auf Körper und Geist, mittlerweile wird die Nintendo Wii auch für Therapie und Reha eingesetzt. Spricht also nichts gegen eine Runde "Super Mario" & Co. unterm Christbaum. (fbay, derStandard.at, 17.12.2014)

  • Ist das Spielen mit Wii & Co. gefährlich? "Nein, wenn man aufpasst", so die dänischen Forscher.
    foto: wikipedia/cc/david murphy

    Ist das Spielen mit Wii & Co. gefährlich? "Nein, wenn man aufpasst", so die dänischen Forscher.

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