Bankenwerbung an Schulen: Raiffeisen muss Werbepraktiken ändern

17. Dezember 2014, 11:46
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In "Sponsoringvereinbarungen" waren auch Werbeauftritte im Umfang von bis zu zehn Unterrichtsstunden inkludiert

Wien - Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien muss bestimmte Werbepraktiken an Schulen einstellen. Dazu hat sich das Institut in einem Unterlassungsvergleich verpflichtet. Unter anderem wurden Schüler direkt in der Unterrichtsstunde aufgefordert, ein Konto zu eröffnen und sich gegen die Überlassung ihrer Daten ein Geschenk abzuholen.

Marketingauftritt

Laut dem Verein für Konsumteneninformation (VKI), der im Auftrag des Sozialministeriums die Bank klagte, ermöglichten "Sponsoringvereinbarungen" mit den Schulen im Wert von 2.000 Euro pro Jahr einen umfassenden Marketingauftritt. Neben dem Anbringen von Plakaten im Schulgebäude und bei Veranstaltungen waren dabei auch Werbeauftritte im Umfang von bis zu zehn Unterrichtsstunden inkludiert. Dabei wurde direkt in den Schulstunden in Unterstufenklassen für das Juniorkonto der Bank geworben.

Unter anderem wurden die Zehn- bis 14-Jährigen aufgefordert, mit ihren Eltern die nächste Filiale aufzusuchen, um sich dort kostenlos einen Rucksack beziehungsweise eine "Junior-Card" zu holen. Gleichzeitig wurden Bögen verteilt, auf denen die Schüler ihre Daten bekanntgeben beziehungsweise deren Verwendung für Marketingzwecke zustimmen sollten. Untermalt wurden die Schulbesuche zum Teil durch Auftritte eines komplett mit den versprochenen Rucksäcken zugepflasterten Mitarbeiters.

Taschengeldkonto eröffnen

In dem der APA vorliegenden Vergleich verpflichtet sich die Bank, es zu unterlassen, "Schüler der Unterstufe der Mittelschule direkt, insbesondere im direkten Gespräch in Schulstunden oder durch Verteilung von Werbematerial an die Schüler in den Schulen, aufzufordern, bei Raiffeisenbanken ein Konto, insbesondere ein Taschengeldkonto, zu eröffnen". Gleiches gilt für das Versprechen eines für die Schüler attraktiven Geschenks, wenn die Kinder dieses nur erhalten, wenn sie der Bank ihre persönlichen Daten für Marketingzwecke zur Verfügung stellen beziehungsweise ihre Freunde dazu veranlassen.

Werbung an Schulen grundsätzlich erlaubt

Schulsponsoring beziehungsweise Werbung an Schulen ist grundsätzlich erlaubt. Das Schulunterrichtsgesetz macht dazu nur sehr allgemeine Vorgaben: "In der Schule, bei Schulveranstaltungen und bei schulbezogenen Veranstaltungen darf für schulfremde Zwecke nur dann geworben werden, wenn die Erfüllung der Aufgaben der österreichischen Schule (Paragraf 2 des Schulorganisationsgesetzes) dadurch nicht beeinträchtigt wird." Letztlich müssen die Direktoren entscheiden, welche Werbemaßnahmen sie zulassen. Im konkreten Fall ortete der VKI einen Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

VKI: "Aggressive Geschäftspraktik"

"Wenn die für Bildung vorgesehene Unterrichtszeit für Werbezwecke missbraucht wird, ist ganz klar eine Grenze überschritten", sagte VKI-Juristin Ulrike Docekal. "Im konkreten Fall handelt es sich nicht nur um eine klar aggressive Geschäftspraktik, die in dieser Form europaweit einzigartig sein dürfte." Sie hält weitere Maßnahmen gegen überbordende Schulwerbung und Kontrollen für "dringend geboten". (APA, 17.12.2014)

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