Keewifi: WLAN-Router soll Passwörter überflüssig machen

17. Dezember 2014, 11:21
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Näherung statt Kennphrase und App-basierte Verwaltung – Hersteller verspricht hohe Sicherheit

Nach wie vor sind Passwörter die gängigste Methode, um viele Dinge im digitalen Raum vor unerwünschtem Zugriff abzusichern. Auch bei essentieller Infrastruktur wie Drahtlosnetzwerken setzen ihre Betreiber üblicherweise auf eine Kennphrase, um sie vor Dritten zu schützen.

Doch Passwörter sind nicht die Ultima Ratio, weswegen sich selbst Großkonzerne wie Google der Erforschung neuer Paradigmen verschrieben haben. Einen durchaus ambitionierten Versuch unternehmen auch die Hersteller eines Routers namens Keewifi. Dieser soll den Zugang und die Verwaltung von WLANs ganz ohne Kennwort ermöglichen und trotzdem hohe Sicherheit bieten.

30-Sekunden-Setup

Das gleichnamige Unternehmen mit Sitz in der chinesischen Hauptstadt Peking verspricht, den "weltweit einfachsten" Router zu bauen. Die Basis des Konzepts bilden sensorbasierte Näherungserkennung und ein einfach gehaltenes Autorisierungssystem.

Wer nach der Inbetriebnahme von Keewifi erstmals das von dem Router gespannte Drahtlosnetz verwenden will, muss ein Mobilgerät in unmittelbare Nähe halten und sich mit einer App für Android oder iOS autorisieren, ein Prozedere das lediglich eine halbe Minute dauern soll.

App-basierte Nutzerverwaltung

Das Smartphone oder Tablet wird anschließend vom Router als Administrator erkannt und kann zur Freischaltung von Geräten dienen, die sich nicht einfach zum Router transportieren lassen.

Ebenso kann es Administratorrechte an diese vergeben oder den Zugang für andere sperren. Auch detailliertere Reglements, darunter eine Zeitbeschränkung für den Drahtloszugriff, sollen möglich sein. Die Farbe des LED-Rings um die Oberseite des Routers lässt sich auch über das Mobilprogramm ändern.

Sofern dies aktiviert ist, können sich auch andere Nutzer einfach durch Annäherung ins WLAN einwählen. Dieses Prinzip soll – im Gegensatz zu Kennwortschutz oder dem in der Vergangenheit bereits auf manchen Geräten ausgehebelten WPS-Verfahrens – sicherstellen, dass beispielsweise keine fremde Person von außerhalb der eigenen Wohnung an der Internetverbindung "mitnascht".

802.11ac mit Beamforming

Neben dem Authentifizierungsverfahren soll Keewifi auch mit seiner weiteren Hardwareausstattung glänzen. Im Inneren des eigenwillig gestalteten Geräts werkt ein Chip mit 802.11ac-Support (2,4 und 5 GHz, maximal 867 Mbps) und "Beamforming"-Support. Neben guter WLAN-Reichweite soll der Router in der Lage sein, Störungen durch Kanal-Überlagerungen mit anderen Netzwerken zu erkennen und dementsprechend den Channel des eigenen Netzwerkes dynamisch anzupassen.

Als Betriebssystem kommt ein stark angepasstes Linuxsystem zum Einsatz. Die Entwickler setzen dabei auf eine Eigenentwicklung und verzichten absichtlich auf ein "Flickwerk" auf Basis der Open-Source-Firmware OpenWRT. Keewifi soll nicht nur als eigenständiger Router, sondern auch einfach als Erweiterung für bestehende WLANs verwendbar sein.

Der Router basiert auf einem bereits von Keewifi entwickelten Modell namens "Kisslink", das sich allerdings an den chinesischen Markt richtet und nur den 802.11n-Standard unterstützt. Keewifi bringt nicht nur 802.11ac mit, sondern soll mehr Konfigurationsmöglichkeiten bieten.

Kickstarter-Finanzierung

Die Realisierung von Keewifi wird über Kickstarter finanziert. Den angestrebten Betrag von 50.000 Dollar hat man bereits 20 Tage vor Ende des Crowdfundings deutlich überschritten. Die Entwickler reagieren regelmäßig auf die zahlreichen Fragen und Vorschläge von Interessenten im Kommentarbereich und verraten dort etwa, dass sie Unterstützung von diversen VPN-Diensten in die Router-Firmware integrieren wollen.

Backer können sich das Gerät derzeit ab 79 Dollar (rund 63 Euro) sichern, wobei nach Europa zusätzlich 15 Dollar an Porto anfallen. Gemäß der von Keewifi veröffentlichten Timeline soll die Hardware des Routers im ersten Quartal finalisiert werden, ehe man im zweiten Quartal zur Qualitätssicherung und Zertifizierung schreitet. Planmäßiger Beginn der Auslieferung an Kickstarter-Unterstützer ist der kommende Juli. (gpi, derStandard.at, 17.12.2014)

  • Keewifi sieht nicht nur ungewöhnlich aus, sondern setzt auch auf ein originelles Sicherheitskonzept.
    foto: keewifi

    Keewifi sieht nicht nur ungewöhnlich aus, sondern setzt auch auf ein originelles Sicherheitskonzept.

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