Jäger machten den Mammuts schon vor 30.000 Jahren das Leben schwer

10. Jänner 2015, 17:59
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Neue Hinweise deuten darauf hin, dass das Aussterben der eiszeitlichen Pflanzenfresser vom Menschen ausgelöst wurde

Tübingen - Ob die großen eiszeitlichen Pflanzenfresser am Übergang vom Pleistozän zum Holozän durch menschlichen Einflüsse oder klimatische Veränderungen ausstarben, ist ein Streitthema, das Wissenschafter bereits seit Jahrzehnten beschäftigt. Nun weist eine neue Studie daraufhin, dass tatsächlich der Mensch den Ausschlag gegeben haben könnte. Bei der Untersuchungen der Lebensbedingungen der Megafauna fanden deutsche Forscher jedenfalls keine Hinweise darauf, dass es zu relevanten klimatischen Veränderungen kam, die den Tieren das Leben schwer gemacht hätte.

Die Funde deuten viel eher an, dass es die intensive Jagd war, die offenbar schon vor etwa 30.000 Jahren zu einem Rückgang der Mammutpopulationen in Westeuropa geführt hat. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Tübingen sowie der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. Wie die Wissenschafter um die Biogeologin Dorothée G. Drucker im Fachmagazin "Quaternary International" berichten, lässt sich bei der Analyse von Knochen, Zähnen sowie Mammutelfenbein aus der Phase des sogenannten Gravettien (etwa 30.500 bis 22.000 Jahre vor unserer Zeit) zeigen, dass die klimatischen Umstände wie auch die Versorgung mit Nahrung und Trinkwasser für die großen Pflanzenfresser dieser Epoche stabil waren.

Immer weniger Objekte aus Mammutelfenbein

Trotzdem ist während des Gravettiens ein deutlicher Rückgang der Funde von Gebrauchs- oder Kunstgegenständen aus Mammutknochen oder –elfenbein festzustellen. Die Wissenschafter werteten dazu vor allem Funde von der Schwäbischen Alb, sowie aus dem südwestfranzösischen Dordogne-Tal aus. Mit Unterstützung durch Forscher des Nationalmuseums für Naturgeschichte in Paris fanden Drucker und Bocherens nun weitere Hinweise für die These, dass das langsame Verschwinden der großen Pflanzenfresser mit einer intensiven Bejagung zusammenhing.

Dazu analysierten sie die stabilen Isotopenzusammmensetzungen von Mammut-, Pferde- und Rentierknochen. Die Verhältnisse der Kohlenstoff, Schwefel und Stickstoffisotope geben Hinweise auf die Stabilität der ökologischen Nische. Dabei fanden sie bei allen drei Tierarten überwiegend konstante Isotopenkonzentrationen während des Gravettiens, die ökologischen Bedingungen für diese Arten waren also nach wie vor gegeben.

Pferde füllten die Lücke

Eine auffällige Veränderung zeigte sich allerdings bei den Überresten der Pferde im Schwäbischen Jura. Hier stieg im Laufe der Zeit die Konzentration des Stickstoff-Isotops 15N allmählich an und näherte sich während des Gravettiens den Werten des Mammuts an. Daraus schließen die Forscher, dass die Pferde in diesem Gebiet allmählich die ökologische Nische des sich im Rückzug befindlichen Mammuts einnahmen. Um zu klären, ob es hierfür klimatische Argumente gibt, untersuchten sie zudem den Gehalt des Sauerstoff-Isotops 18O ‒ Veränderungen im Gehalt dieses Isotops wären ein Hinweis auf einen klimatischen Wandel.

Es hätten sich jedoch keine wesentlichen Hinweise auf dramatische klimatische Veränderungen in dieser Epoche gefunden, erklärt Drucker. "Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass der Rückgang der Mammutpopulationen in Südwestdeutschland durch den Menschen verursacht wurde." Die eiszeitlichen Jäger und Sammler hätten damit schon vor mehr als 20.000 Jahren ganz erheblich in das von ihnen bewohnte Ökosystem eingegriffen. (red, derStandard.at, 10. 1. 2015)

  • Das Mammut vom Vogelherd, entdeckt im Jahr 2006, dürfte mehr als 30.000 Jahre alt sein. Nach neuen Erkenntnissen dürften Jäger etwa zu dieser Zeit die Population der Pflanzenfresser erheblich dezimiert haben.
    foto: j. lipták/universität tübingen

    Das Mammut vom Vogelherd, entdeckt im Jahr 2006, dürfte mehr als 30.000 Jahre alt sein. Nach neuen Erkenntnissen dürften Jäger etwa zu dieser Zeit die Population der Pflanzenfresser erheblich dezimiert haben.

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