Yline-Prozess auf Jänner vertagt

17. Dezember 2014, 10:48
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Ehemaliger IBM-Österreich-Chef nicht als Zeuge erschienen

Wien - Im Strafprozess um die Pleite des Internetunternehmens Yline hat Richterin Marion Hohenecker das Gutachten des neu bestellten Gerichtssachverständigen Alexander Stefan an die Verteidiger der verblieben acht Angeklagten verteilt. Der einzige am Mittwoch geladene Zeuge, ein ehemaliger IBM-Österreich-Chef, ist nicht erschienen. Die Verhandlung wurde auf den 20. Jänner vertagt.

Bereits zu Beginn des Prozesses im April dieses Jahres hatten die Angeklagten und ihre Verteidiger das Gutachten und den Gerichtsgutachter Thomas Keppert heftig kritisiert. Auch der vom Gericht neu bestellte zweite Gutachter, Werner Hallas, wurde wegen Befangenheit abgelehnt, da er an der Erstellung des ersten Gutachtens, auf das sich die Anklage im Wesentlichen stützt, federführend mitgearbeitet habe. Erst der dritte vom Gericht bestellte Sachverständige, der Linzer Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Alexander Stefan, wurde schließlich akzeptiert. Sein Gutachten wurde von der dem Schöffensenat Vorsitzenden Richterin heute an die Verteidiger der Angeklagten verteilt.

Kritik an ursprünglichen Gutachten

Die angeklagten ehemaligen Yline-Vorstände und -Aufsichtsräte sowie die damalige Wirtschaftsprüferin hoffen, dass das von ihnen kritisierte ursprüngliche Gutachten vom neuen Gutachter um bestimmte Themenbereiche und in der Zwischenzeit neu aufgetauchten Dokumente, E-Mails und die bisherigen Zeugenaussagen ergänzt wird. Vor allem das Partnerschaftsabkommen mit IBM ist ihrer Meinung nach von Keppert zu wenig berücksichtigt worden. Der Hauptangeklagte, der ehemalige Yline-Chef Werner Böhm, wirft IBM vor, den Partnerschaftsvertrag nicht eingehalten zu haben, was der Hauptgrund für die Yline-Konkursanmeldung im Herbst 2001 gewesen sei.

Yline war 1998, ein Jahr vor dem ersten Börsengang 1999, gegründet worden. Im Herbst 2001 meldete das Unternehmen Konkurs an. Laut Anklage war Yline aber schon spätestens Mitte Jänner 2001 zahlungsunfähig. Von den ursprünglich elf Angeklagten - frühere Vorstände und Aufsichtsräte sowie die damalige Wirtschaftsprüferin - müssen nur mehr acht die Anklagebank drücken. Einer der Angeklagten wurde bereits erstinstanzlich freigesprochen und die Verfahren gegen zwei weitere aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Die Vorwürfe lauten auf Untreue, Insiderhandel und Bilanzfälschung.

Der Strafprozess wird am 20. Jänner fortgesetzt. Am 21. und 22. Jänner wird es ebenfalls Verhandlungen geben, auch am 17. und 18. März. (APA, 17.12.2014)

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