Wer klopfet an ... Zierpflanzen und ihre Feinde

Kolumne22. Dezember 2014, 15:16
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Vor Weihnachten erbitten frierende Gewächse Einlass in unser Heim. Gregor Fauma mahnt zur Gastfreundschaft gegenüber Zierpflanzen

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei - und plötzlich klopft es an die Tür. Da stehen sie: frierend, zitternd und um Einlass bittend. Kritisch mustern Gartler und Gärtnerin die Wetterberichte, kalkulieren frostfreie Tage ein und weisen die Herbergssuchenden ab. Sollen sie doch schauen, dass sie woanders unterkommen. Man müsse das europäisch lösen. Wird es über Nacht doch zu kalt, erbarmen sich Gartlerin und Gärtner und gewähren den meist aus dem Süden kommenden Zierpflanzen Einlass. Diese danken es, unter Umständen, mit Blüten, Früchten und tropischer Atmosphäre.

Pracht braucht Pflege - die Gäste sind sehr parasitenanfällig - und da muss man einschreiten. Häufig sind Schildläuse. Sie saugen im Schutz eines massiven Schilds an den Pflanzen, sondern Honigtau ab und ebnen damit diversen Pilzen feine Futterressourcen. Das sieht nicht gut aus und bringt mitunter das Wachstum der Pflanze zum Stocken.

Gepflegte Gäste

Die Schildläuse bekommt man mit scharfem Wasserstrahl nicht weg - bei starkem Befall führt kein Weg an Rapsölpräparaten oder letztendlich systemischen Wirkstoffen vorbei. Die Pflanze nimmt diese Wirkstoffe über das Blatt oder die Wurzeln auf und vergällt damit den Läusen das Saugen und Zuzeln.

Weniger dramatisch und trotzdem störend ist der Befall mit Weißen Fliegen. Winzig klein treten sie stets in Massen auf und bedienen sich mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen an den Blattunterseiten junger Triebe. Die Folge ist Honigtaustuhl, der die Pflanzen verklebt und die Pilze lockt.

Gut einseifen

Die Weiße Fliege bekämpft man entspannt mit Leimtafeln und dreiprozentiger Schmierseife. Dazu löst man 30 Gramm fester Schmierseife in einem Liter Wasser auf und sprayt damit die befallene Pflanze von oben bis unten, samt Blattunterseiten, ein. Am besten macht man das in der Badewanne. Hat man zusätzlich Schildläuse, kann man sich das Gepritschel sparen. Die Fliegen gehen gemeinsam mit den Läusen am systemischen Wirkstoff ein.

Leidet eine Zimmer- oder Asylpflanze an den Raumbedingungen, lässt sich die Woll- und Schmierlaus nicht lange bitten. Diese Läuse scheiden Wachsfäden aus, um sich vor zu hoher Feuchtigkeit zu schützen. Konglomeriert sehen sie wie kleine Wattebausche aus, fast weihnachtlich. Zusätzlich stellt sich das Honigtauproblem ein. Hat man ausschließlich Woll- und Schmierläuse, kann man diesen mit Rapsölmitteln auf den Pelz rücken.

Hat man die lästigen Sauger besiegt, strahlen die Pflanzen und zeigen sich von ihren schönsten und duftendsten Seiten. Dass sie ab 24. Dezember ein wenig im Schatten einer geschmückten Tanne oder Fichte stehen, nehmen sie gerne in Kauf. Frohe Weihnachten! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 19.12.2014)

Tipp zur Schädlingsbekämpfung: Systemische Mittel sind immer als die Ultima Ratio einzusetzen. Im Freien am besten gar nicht, im Zimmer tendenziell auch nicht. Intensiver, wiederholter und erfolgloser Rapsölpräparateinsatz sollte jedem Einsatz systemischer Wirkstoffe vorausgehen.

  • Die Schildläuse bekommt man mit scharfem Wasserstrahl nicht weg - bei starkem Befall führt kein Weg an Rapsölpräparaten oder letztendlich systemischen Wirkstoffen vorbei.
    illustration: dennis eriksson

    Die Schildläuse bekommt man mit scharfem Wasserstrahl nicht weg - bei starkem Befall führt kein Weg an Rapsölpräparaten oder letztendlich systemischen Wirkstoffen vorbei.

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