Silvester verschlafen

30. Dezember 2014, 12:00
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Schönheitsschlaf ins Neue Jahr oder Tanzen bis in die Puppen?

foto: apa/herbert p. oczeret

Pro
Von Andrea Schurian

Eh. Ziemlich uncool, ins neue Jahr schlafzumützen. Weil: Hallo! Party! Schon als Kind wollte man in dieser magischen Nacht die Augen offenhalten, Feuerwerke sehen, Bowle trinken, am Champagnerglas der Eltern nippen. Etliche Jahreswechsel später ist das Kind aber huschdiwusch sehr erwachsen geworden, alt genug jedenfalls für schönheitsschläfrige Silvesterwünsche.

Vielleicht sollte frau sich den Luxus einer (nicht allein, aber) im Bett verbrachten Silvesternacht maximal biennal leisten, etwa, indem sie alle zwei Jahre ihr Nachtlager unter afrikanischem Sternenhimmel aufschlägt. Idealerweise sind gleichzeitig auch die Lieblingsgastgeber verreist. Denn der Preis für Silvestersause-Abstinenz kann teuer werden, z. B. fortan ganz! schön! fad! von sämtlichen Gästelisten gestrichen zu werden. Und erst die mitleidige Verachtung der Nachwüchse!

Wenn schon liegen, sagen die Partyleichen, dann, Mutter, erst am Ersten. Nixda. Der ist für die konzertanzte Grambewältigung über den neuesten Jahresring unter den Augen reserviert.

Kontra
Von Christoph Prantner

Informierten Kreisen zufolge plant die Koalition, die Spaßbremse in den Verfassungsrang zu heben. Rückwirkend bis 1984. Der Gesetzesentwurf, heißt es, sei unter Federführung der Bundesminister Andrä Rupprechter (Wasserwirtschaft) und Alois Stöger (Innovation) entstanden.

Er sieht Silvester betreffend vor: Verschrottung der Pummerin, Ausgangssperre/Nachtruhe ab 21.30 Uhr, generelles Verkehrsverbot, 1000 Palmers-Münzen Buße bei behördlich festgestelltem Tragen roter Unterwäsche, die Minus-zwei-Promille-Grenze und Verwaltungsstrafverfahren für den Besitz von mehr als 0,1 Milligramm Blei oder eines Schweizerkrachers. Einfuhrverbote für Lachs, Fonduezubehör und deutsche Sketchsendungen werden noch erwogen.

Der Bundespräsident soll keine verfassungsrechtlichen Bedenken angemeldet, aber angemerkt haben, dass der Abend "ganz schön fad" werden könnte. Großproteste gegen die Pläne werden erwartet (Damenspitze, Tanzen bis in die Puppen, #silvesterschock). Ihr Autor ist dabei. Prosit! (Rondo, DER STANDARD, 19.12.2014)

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