Das schwierige Verhältnis der Regierung zu den Medien

16. Dezember 2014, 19:01
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Regierung bleibt auf Distanz - Konsequenzen für Kritik

Wien - In der ZiB 2-Redaktion des ORF wird bereits eine Liste mit Absagen von Regierungspolitikern geführt. Vor allem SPÖ-Politiker meiden das Studio, allen voran Kanzler Werner Faymann, der einen großen Bogen um Armin Wolf macht. Auch bei anderen Medien macht sich der Kanzler rar. Kritische Berichterstattung zieht einen Interview-Boykott nach sich, das bekommt auch Der Standard zu spüren. Anfragen werden konsequent negativ beschieden, dafür ist der Kanzler häufiger im Boulevard zu Gast.

Der Entzug der Gunst ist aber kein reines SPÖ-Spezifikum, auch ÖVP-Regierungsmitglieder lassen auf kritische Berichterstattung Konsequenzen folgen, indem sie einzelne Medien etwa von Einladungen zu Hintergrundgesprächen ausnehmen.

"Wie lästige Bittsteller behandelt"

Cathrin Kahlweit, Österreich-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, zeigt sich im Gespräch mit dem Standard prinzipiell verwundert über die Haltung der Regierungsparteien in Österreich gegenüber Medien. "Journalisten werden in Österreich bisweilen wie lästige Bittsteller behandelt, die nach dem Ministerrat mit drei zugelassenen Fragen abgefrühstückt werden", sagt Kahlweit. Als Journalistin habe sie das Gefühl, sich von "kleinen Brotkrumen" ernähren zu müssen, sagt sie über die zurückhaltende Informationspolitik der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP. Von ausführlichen Bundespressekonferenzen und Hintergrundgesprächen, wie sie etwa in Deutschland üblich sind, könnten Österreichs Journalisten nur träumen.

Für Kahlweit ist es "erstaunlich, dass die Regierungsspitzen weitgehend inaktiv wirken". Dies gelte für Werner Faymann noch mehr als für Vizekanzler Reinhold Mitterlehner. Den Bundeskanzler habe Kahlweit "noch nie wegweisend erlebt". Während die ÖVP zumindest eine sichtbare Ministerriege vorzuweisen habe, "hat man bei den Ministern der SPÖ den Eindruck, sie warten nur auf die nächste Wahl". (burg, völ, DER STANDARD, 17.12.2014)

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