Aufschwung mit Anlauf

17. Dezember 2014, 14:12
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Österreichs Turner schließen ein überaus erfolgreiches Jahr ab. Der Junioren-EM-Titel von Vinzenz Höck ragt aus vielen erfreulichen Resultaten noch heraus

Wien - Ein Junioren-EM-Titel. Drei Top-Ten-Plätze in Weltranglisten. Was tut sich denn da, ist man versucht zu fragen, im österreichischen Turnsport? Und also fragt man. Nun denn, die Weltranglisten sind etwas zu relativieren und jedenfalls nicht mit dem Ranking etwa im Tennis zu vergleichen. De facto handelt es sich um eine Gesamtwertung von Weltcupergebnissen, wobei der Weltcup von den besten Nationen, von Russland, den USA und China, nur selten beschickt wird. "Willst' was gelten, mach dich selten", lautet das Motto von Stars wie US-Weltmeisterin Simone Biles, die zwar bei Großevents auftaucht, sich ansonsten aber international kaum blicken lässt.

Auch so erklären sich österreichische Spitzenplätze, die sich bei Jasmin Mader zu einem vierten Platz (Boden) und einem zehnten (Sprung) sowie bei Jessica Stabinger zu einem achten Platz (Schwebebalken) summierten. Wobei, natürlich, allerweil. Auch der 22. Platz unter 64 Nationen, den Österreichs Frauenteam bei der WM im Oktober in Nanning (China) erreichte, war aller Ehren wert. Somit fährt auch zur WM 2015 (Glasgow) ein Team, an Olympia 2016 in Rio könnten sogar zwei Österreicherinnen teilnehmen.

Bei den Männern sollte Österreich, das in Nanning auf Rang 27 kam und deshalb in Glasgow nicht im Teambewerb antreten darf, mit einem Solisten in Rio vertreten sein. Um diesen einen Platz herrscht freilich ein Griss wie selten zuvor. Gut fünf Turner matchen sich um drei WM-Tickets, bei der WM geht's dann wohl auch schon um die Olympia-Quali. Einer, der mitmischen könnte, ist der Grazer Vinzenz Höck (18), der heuer im Mai in Sofia Junioren-EM-Gold an den Ringen holte. Ein Titel mit großem Wert nach einer Übung mit hoher Schwierigkeit. Auch bei Höck gilt das Credo des Fachverbands für Turnen (ÖFT), dass primär "die beste Mehrkampfleistung" anzustreben sei, doch natürlich wird er versuchen, auch sein Ausnahmetalent an den Ringen zu forcieren.

450 Vereine im Land, 100.000 Mitglieder

Turnen hat im Kinderbereich und als Breitensport große Bedeutung, immerhin zählen die 450 Vereine im Land circa 100.000 Mitglieder. Erfolge an der Spitze sollten auch als Motivation wirken. Laut ÖFT-Sportdirektor Dieter Egermann kam der Aufschwung "natürlich nicht über Nacht". Die Sportart erfordere einen langwierigen Trainingsaufbau, aktuelle Erfolge sind also das Resultat von fünf bis zehn Jahren Arbeit. Der Verband hat das Glück, dass zuletzt etliche starke Jahrgänge en suite dahergekommen sind, er hat aber wohl auch einiges richtig gemacht.

Als Nationaltrainer leisten der Niederländer Laurens van der Hout (Frauen) in Dornbirn und der Tscheche Petr Koudela (Männer) in Innsbruck gute Arbeit, dritter ÖFT-Bundesstützpunkt ist Linz, wo Johanna Gratt, nebstbei eine der weltbesten Kampfrichterinnen, und der Deutsche Siegfried Wüstemann tätig sind. Egermann freut sich über die interne Konkurrenz bei Frauen und Männern. Der oder die eine stachle die anderen an. "Eine Supersituation", sagt der Sportdirektor. Auch deshalb sollte sich, ist man versucht festzuhalten, noch einiges tun im österreichischen Turnsport. Und also hält man fest. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 17.12.2014)

  • Vinzenz Höck aus Graz zählt in seinem Alter an den Ringen zur Weltklasse. Seine Übung ist diffizil, und der hohe Ausgangswert 5,5 hilft ihm – so die Übung gelingt.
    foto: minkus-images.de

    Vinzenz Höck aus Graz zählt in seinem Alter an den Ringen zur Weltklasse. Seine Übung ist diffizil, und der hohe Ausgangswert 5,5 hilft ihm – so die Übung gelingt.

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