Großer Putin ganz klein

16. Dezember 2014, 17:11
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Aktionstheater Ensemble präsentiert "Pension Europa"

Wien - Zweifellos: Selbstverteidigung ist unerlässlich für Frauen. Gegen welch mannigfache Zumutungen sich Frau heute verteidigen muss, das führt das neueste Stück des Aktionstheater Ensemble vor. Pension Europa, uraufgeführt bei den Bregenzer Festspielen, wird nun im Werk X-Eldorado gezeigt (Regie: Martin Gruber).

Wir sehen: Michaela Bilgeri, Susanne Brandt, Alev Irmak, Isabella Jeschke, Kirstin Schwab und Aisha Eisa. Fünf in Unterwäsche, eine im Brautkleid. Womit eigentlich alles über das heutige Frauenbild gesagt wäre. Es geht in den überdrehten Gesprächen der Runde (die Aisha Eisa mit Gesang kontrastiert) auch zuvörderst um: die Normierung des Frauenkörpers - der sich stur weigert, so zu sein, wie er sollte. Da wölben sich Bäuche, scheinen Adern unvorteilhaft durch, wachsen Muttermale an den Schamlippen. Ein Kreuz.

Es sind daneben immer wieder Menschen anderer Hautfarbe oder Nation ein Thema, die politische Lage, Straßenbettler oder der "große Putin" (den Mann übrigens auch in der Hose haben kann). Das ist oft sehr komisch, beim locker dahingeplapperten Alltagsrassismus tut es dazwischen aber ganz schön weh. Über das Private, die persönlichen Geschichtchen, soll hier das große Ganze, das Zusammenleben unter verschärften Globalisierungsbedingungen, sichtbar werden. Das funktioniert manchmal gut, manchmal nicht. Dafür entwickeln die Frauen auf der Bühne, namentlich bei immer wieder trainierten Selbstverteidigungsübungen ("Pam! Pam! Za!"), eine Energie, die auf anderer Ebene berührt. Man muss den Zumutungen des Lebens halt mit aller Kraft Widerstand leisten. (hein, DER STANDARD, 17.12.2014)

Nächster Termin: 17. 12., 20.00

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