JP4: Ein Tablet für Häftlinge vom "Apple der Gefängnisse" 

1. Jänner 2015, 10:07
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Das JP4 ist durchsichtig, läuft mit Batterien und kostet nur 50 Dollar – verkauft wird es nur im Gefängnis

Eines der größten Probleme für Gefängnisinsassen: Langeweile. Alles, was diese bekämpft, wird von den Häftlingen heißgeliebt. Seit neuestem gehört dazu auch ein Tablet: Das JP4 von der Firma JPay ist das erste Gerät dieser Produktkategorie, das in US-Gefängnissen verkauft werden kann. Für nur 50 Dollar können Insassen ein JP4 erwerben, rund 55.000 Stück wurden bereits abgesetzt.

Schutz vor Schmuggel

Dabei merkt man schon auf den ersten Blick, dass das JP4 kein "handelsübliches" Tablet ist: Die Hülle ist komplett durchsichtig, um den Schmuggel von Waren im Tablet unmöglich zu machen. Gleichzeitig läuft das Gerät auf AA-Batterien, eine Stromzufuhr über die Steckdose ist nicht nötig. Außerdem ist das Gerät mit Sollbruchstellen versehen; es lässt sich nie so zerlegen, dass scharfe Kanten frei werden, mit denen der Häftling andere oder sich selbst verletzen können.

"Geliebt"

Ryan Shapiro, Leiter von JPay, glaubt aber gar nicht, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht, denn: "Häftlinge lieben das Tablet – wenn sie jemanden verletzen, würde man ihnen das Gerät wegnehmen". Dieses Risiko gingen Häftlinge nicht ein, so Shapiro zu Motherboard. Tatsächlich stellt das Tablet eine signifikante Verbesserung der Lebenssituation von Insassen dar: Diese können im Gefängniskiosk Musik, E-Books und Filme für das JP4 erwerben – die natürlich vorab von der Gefängnisleitung durchgewunken wurden; zusätzlich können sie zu bestimmten Zeiten mit ihrer Familie per E-Mail kommunizieren. Ein "normaler" Internetbrowser ist am JP4 allerdings nicht enthalten.

Apple der Gefängnisse

Für JPay ist das Tablet nicht der erste Ausflug in die Welt der Gefängnisse. Bereits vor einigen Jahren präsentierte das Unternehmen den ersten MP3-Player, der in Haftanstalten verkauft werden darf. Nicht umsonst hat sich der Konzern mittlerweile den Spitznamen "Apple der Gefängnisse" (Bloomberg Businessweek) erworben. Das Unternehmen bietet auch zahlreiche weitere Services wie Videochats mit Insassen oder Geldüberweisungen ins Gefängnis an. Jetzt will man weitere US-Haftanstalten für das Tablet begeistern – und dann über Services und Spiele weiter Profit machen. (fsc, derStandard.at, 1.1.2015)

  • Die durchsichtige Hülle soll dafür sorgen, dass darin keine Gegenstände versteckt werden können
    jpay/pressefoto

    Die durchsichtige Hülle soll dafür sorgen, dass darin keine Gegenstände versteckt werden können

  • Beim Gefängniskiosk können Häftlinge kurz über WLAN E-Mails abrufen und versenden
    jpay/pressefoto

    Beim Gefängniskiosk können Häftlinge kurz über WLAN E-Mails abrufen und versenden

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