Grönlands Gletscher schwinden noch schneller als befürchtet

19. Dezember 2014, 18:31
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Mehr supraglaziale Seen beschleunigen Schmelzprozesse und lassen den Meeresspiegel schneller steigen

Leeds - Das Schmelzwasser schrumpfender Gletscher sammelt sich in Form von Seen in Senken auf der Oberfläche der Eismassen. Bisher hielt man diese Wasseransammlungen harmlos - ein Irrtum, wie sich nun zeigt: Die Bildung der neuen Seen infolge des Klimawandels droht in Grönland einer aktuellen Studie zufolge das Verschwinden der Gletscher zusätzlich zu beschleunigen, was wiederum den Meeresspiegel schneller ansteigen lässt. Die von sogenannten supraglazialen Seen bedeckte Fläche der arktischen Insel könnte sich bis zum Jahr 2060 verdoppeln, heißt es in der am Montag in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" veröffentlichten Untersuchung.

Bisher hatten Wissenschafter angenommen, dass die Auswirkungen dieser Wasserflächen eher gering seien. Eine neue Studie von Forschern der Universität im britischen Leeds warnt nun aber davor, dass sich die Gletscherschmelze durch sie spürbar beschleunigen könnte.

Sonnenlicht und Sickerwasser

Die supraglazialen Seen würden die Auswirkungen des Sonnenlichts verstärken und Sickerwasser abgeben, wodurch das umliegende Eis immer weiter zurückgehe. Die Forscher stützten sich unter anderem auf Satellitendaten, um die Bildung neuer Wasserflächen auf Grönland vorauszusagen.

Seit den 70er-Jahren hat sich die Schmelzzone auf der Insel den Angaben zufolge langsam von den Küsten ins Landesinnere ausgedehnt. Derzeit sei der mit supraglazialen Seen bedeckte Küstenstreifen 56 Kilometer breit, bis 2060 werde sich diese Zone auf bis zu 110 Kilometer verbreitern. Das Abschmelzen der grönländischen Gletscher gilt als ein wichtiger Faktor bei der Berechnung des Anstiegs der Ozeane durch den Klimawandel. Bis zum Jahr 2100 könnte Schmelzwasser aus Grönland Schätzungen zufolge den Meeresspiegel um 22 Zentimeter heben. (APA/red, derStandard.at, 19.12.2014)

  • Ein supraglazialer Schmelzwassersee auf dem Humboldt-Gletscher im Nordwesten Grönlands. Die Zunahme dieser Wasseransammlungen auf den Gletscheroberflächen beschleunigt das Abschmelzen der Eismassen, wie eine aktuelle Studie nun nachweisen konnte.
    foto: reuters/nick cobbing/greenpeace

    Ein supraglazialer Schmelzwassersee auf dem Humboldt-Gletscher im Nordwesten Grönlands. Die Zunahme dieser Wasseransammlungen auf den Gletscheroberflächen beschleunigt das Abschmelzen der Eismassen, wie eine aktuelle Studie nun nachweisen konnte.

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