Medwedew prophezeit Ukraine Rückkehr ins Chaos der 1990er-Jahre

15. Dezember 2014, 17:55
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Russlands Premier sagt dem Nachbarn eine düstere Zukunft voraus

Russlands Premier Dmitri Medwedew sagt der Ukraine in einem programmatischen Artikel für die Nesawissimaja Gaseta eine düstere Zukunft voraus. Es sei unklar, wie das Land den drohenden Wirtschaftskollaps und die Überschuldung abwenden wolle. "Offenbar steht unseren Nachbarn das Durchleben der ‚zweiten 1990er-Jahre‘ bevor", schrieb Medwedew. Der angesprochene Zeitraum wird im GUS-Raum allgemein mit massiver Verarmung, viel Kriminalität und einem äußerst schwachen Staatswesen assoziiert.

Nach Ansicht des russischen Premiers ist an der entstandenen Lage in erster Linie der Westen schuld, der die Ukraine zu einer Abkehr von Russland gedrängt habe. Die EU führe ihre Politik im Stile des "Neokolonialismus"; so sei der Assoziationsvertrag Kiew aufdiktiert worden. Der Pakt fordere von der Ukraine große Handelseingeständnisse, ohne ihr im Gegenzug Geld und Perspektiven einzuräumen, klagte Medwedew.

"Jahrelange Subventionen"

Russland hingegen hat seinen Worten nach die Ukraine jahrzehntelang subventioniert, allein durch die billigen Gaslieferungen habe Kiew 82,7 Milliarden Dollar gespart, rechnete er vor. In Zukunft würde das Verhältnis aber "pragmatischer", kündigte er an. Wenn die Ukraine so gern ein europäisches Land sein wolle, müsse sie lernen, ihre Rechnungen zu zahlen, schreibt er.

Auch auf den Konflikt in der Ostukraine ging Medwedew ein. Während er die Krim als russisch bezeichnete, erklärte er das teilweise von prorussischen Rebellen kontrollierte Donbas-Gebiet zu ukrainischem Territorium. Für dessen Versorgung sei daher Kiew zuständig. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 16.12.2014)

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