Heeres-Kommandanten von Sparplänen noch nicht überzeugt

15. Dezember 2014, 18:05
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Streitkräfte-Chef Franz Reissner sieht Einwände aber "unterhalb der Schwelle der politischen Relevanz"

Wien – Es gibt auch gute Nachrichten aus dem Bundesheer und für das Bundesheer: Heute, Dienstag, wird Verteidigungsminister Gerald Klug sechs neue Kran- und Kipper-Fahrzeuge an das Pionierbataillon 3 in der Birago-Kaserne in Melk übergeben, auch die Pionierbataillone 1 und 2 (in Villach und Wals) bekommen jeweils sechs neue Fahrzeuge.

Ansonsten aber wird weiterhin kräftig gespart – so sehr, dass hohe Kommandanten gegenüber dem Generalstabschef Othmar Commenda im November ihre Sorgen ausgedrückt haben. Streitkräftekommandant Franz Reissner fasste die Bedenken am 21. November in einem Brief zusammen, den er höchstpersönlich Commenda überreichte.

Darin heißt es: "Einbindung und somit überzeugtes Mittragen-Können von Maßnahmen ist nur dann wirkungsvoll gegeben, wenn sich die Betroffenen in der neuen Lösung 'wiederfinden' können." Der Generalstabschef möge also die berufliche Expertise der ihm unterstellten Offiziere berücksichtigen.

Für Klug unumstößlich

Dieser Passus des Schreibens überrascht insofern, als bisher der Eindruck vermittelt wurde, dass das höhere Offizierskorps einheitlich hinter den Sparplänen stünde, die Commenda ausgearbeitet hat und die für Minister Klug in den Verhandlungen mit dem Koalitionspartner unumstößlich erscheinen.

Das fünfseitige Schreiben, das dem Standard vorliegt, geht sehr ins Detail: So wird darauf gedrängt, dass die Hochgebirgstruppe weiterhin mit mittleren und schweren Granatwerfern bewaffnet bleiben soll und dass die Panzergrenadiere weiterhin mit Panzerabwehrlenkwaffen ausgerüstet werden.

Vom Standard darauf angesprochen, betont Reissner, dass es sich bei den von ihm gemeinsam mit den Brigadekommandanten formulierten Bedenken um "Angelegenheiten unterhalb der Schwelle der politischen Relevanz" handle.

In Horn 170 Arbeitsplätze gefährdet

Für die verunsicherten Betroffenen bei der Truppe haben die Sparpläne allerdings hohe persönliche Bedeutung – wenn etwa eine Kaserne wie die Radetzkykaserne in Horn zugesperrt werden soll, dann stehen 170 Arbeitsplätze in der Region zur Disposition, klagt der Horner Bürgermeister Jürgen Maier (ÖVP) im Standard-Gespräch.

In Reissners Schreiben wird davor gewarnt, dass dadurch auch der Absicht widersprochen werde, mehr Personal bei der Truppe zu halten: Durch die Verkleinerung der Strukturen würden viele Berufssoldaten dem Außendienst unwiederbringlich verlorengehen. Und das Zusperren von Kasernen könnte weitergehen: "Darüber hinaus besteht die Sorge, dass kleine Verbände, bestehend aus Stabskompanie und nur zwei Kompanien, mittelfristig nicht weitergeführt werden können." (Conrad Seidl, DER STANDARD, 16.12.2014)

  • Schrieb die Bedenken der Brigadekommandanten für den Generalstabschef zusammen: Generalleutnant Franz Reissner.
    foto: bmlvs/markus zinner

    Schrieb die Bedenken der Brigadekommandanten für den Generalstabschef zusammen: Generalleutnant Franz Reissner.

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