Mexiko: Wenig Hoffnung auf Identifizierung weiterer Opfer in Innsbruck

16. Dezember 2014, 07:03
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Mord an einem der in Mexiko getöteten Studenten in Tirol bewiesen - weitere Erfolge unwahrscheinlich

Die Überreste der getöteten Studenten aus Mexiko sind nicht die ersten, die hunderte Kilometer zurücklegen mussten, um der Wahrheit ein Stück näherzukommen: Die Gebeine russischer Zarenkinder, die von Opfern des Pinochet-Regimes in Chile, Knochen von Menschen, die 2004 bei der Tsunamikatastrophe in Südostasien ums Leben kamen - die Innsbrucker Gerichtsmedizin war schon an so mancher international medienwirksamen Untersuchung beteiligt.

Einer der 43 in Mexiko verschleppten Studenten konnte in der Tiroler Landeshauptstadt bereits identifiziert werden. Weitere Proben würden derzeit zwar noch untersucht, es handle sich jedoch um "herausfordernde Fälle" - die Hoffnung auf Erfolg sei aufgrund des Zustands des übrigen vorhandenen Materials gering.

Routine mit Härtefällen

Warum die mexikanische Regierung gerade die Innsbrucker Forensiker beauftragte, könne Richard Scheithauer, Leiter des Instituts, nicht beantworten. Fakt ist: Es gibt weltweit wenige Labore, die sich mit der Erforschung sogenannter mitochondrialer DNA beschäftigen und "die gleichzeitig schon so viel Routine haben", sagt Scheithauer.

Er ist sozusagen für die Härtefälle zuständig. "Sind Weichteile vorhanden, werden diese meist in jenem Land untersucht, wo das Verbrechen stattgefunden hat." Schwierig würde es vor allem dann, wenn - wie im Fall der mexikanischen Studenten - bloß verkohlte Knochenteile oder Zähne zur Untersuchung vorliegen.

Generationen zurückverfolgen

Die Analyse der mitochondrialen DNA ist komplex und fehleranfällig, allerdings auch bei Proben geeignet, die starken Umwelteinflüssen ausgesetzt waren. Über das in den Mitochondrien enthaltene Erbgut können Menschen nicht nur identifiziert, sondern auch deren Verwandtschaftsverhältnisse festgestellt werden: "Es ist möglich, über Generationen Stammbäume zurückzuverfolgen", sagt Scheithauer.

Seit 2006 wird in Innsbruck eine Datenbank aufgebaut, die international als Basis für Vergleichsuntersuchungen genutzt wird. "Eine mitochondriale DNA-Datenbank hat aber nichts mit kriminalistischen DNA-Datenbanken zu tun. Sie stellt ein Spezialwerkzeug für die Identifikation dar wie zum Beispiel auch im Fall des Bruders von Reinhold Messner oder des Mozartschädels", sagt der zuständige Biologe Walther Parson.

Auch nationale Fälle

Ob man die Untersuchung der Knochenteile aus Mexiko auch dort vor Ort hätte durchführen können, möchte Scheithauer nicht beurteilen. Er hält aber fest, dass die Innsbrucker Gerichtsmedizin als Österreichisches DNA-Zentrallabor des Innenministeriums auch regelmäßig für die kriminalistische Untersuchung heimischer Proben zuständig ist. Nur einzelne Fälle würden aus anderen Ländern an Innsbruck herangetragen. "Auch aus westlichen Industrienationen. Es kann nun mal nicht jedes Institut alles machen", sagt Scheithauer. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 16.12.2014)

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