"Drohende Demontage" von Ö1: Künstler appellieren an Parlamentarier

15. Dezember 2014, 14:35
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Gerhard Ruiss, Elfriede Jelinek, Karl Markovics und Agnes Husslein warnen in Schreiben vor Umbauplänen und fordern Erhaltung des Funkhauses

Wien - "Erhaltung des Funkhauses – Drohende Demontage von Ö 1" - mit einem Schreiben wandten sich am Montag Gerhard Ruiss, Elfriede Jelinek, Karl Markovics und Agnes Husslein, Vertreter der Initiative "Radio muss im Funkhaus bleiben", an die 183 Nationalratsabgeordneten, um auf die "brisante Situation rund um den Funkhausverkauf und auf die drohende Zerstörung von Ö1" aufmerksam zu machen, wie es heißt.

Wie derStandard.at berichtete warnten am Freitag bereits der Ö1-Senderchef und sein Team die ORF-Führung vor den bisherigen Plänen für ein gemeinsames Newscenter auf dem Küniglberg. Sie befürchten: "Die Belegschaft von Ö1 sieht auf der Basis der bisher vorliegenden Informationen seine Senderidentität am neuen Standort gefährdet."

Der Brief von Ruiss, Jelinek, Markovics und Husslein im Wortlaut:

"Erhaltung des Funkhauses – Drohende Demontage von Ö 1

Sehr geehrte/r Frau/Herr Nationalratsabgeordnete/r ...........!

Wir ersuchen Sie um Unterstützung zur Erhaltung des Funkhauses und seiner Sender Ö 1, FM 4 und ORF Wien und ihrer Programme.

DEM KULTURSENDER Ö1 DROHT DIE DEMONTAGE

Mit der Aufgabe des Funkhauses als Radiostandort ist eine massive Reduktion der Ö 1-Redakteur/inn/en geplant, und damit des Programms. Dem Stiftungsrat wurde bereits eine weitere Verkleinerung der journalistischen Belegschaft um 10% versprochen. Unter Sparzwang wird es auch nicht bei diesen 10% bleiben. Das bedeutet einen Qualitätsverlust bei den Informations- und Kultursendungen, der den ORF nicht mehr als öffentlich-rechtlichen Sender legitimiert.

REDUZIERTE INFORMATIONSVIELFALT

Mit der Absiedlung der Radios auf den Küniglberg wird die Berichterstattung des ORF medienübergreifend zentral gesteuert. Ö 1 soll in einem multimedialen Kultur- und Wissenschafts-"Cluster" aufgehen. Dadurch gehen – in Verbindung mit zu wenig Personal – Senderidentitäten und die innere und auch äußere Medienfreiheit verloren. Wie soll der ORF unter solchen Voraussetzungen den öffentlich-rechtlichen Auftrag zur Informationsvielfalt erfüllen?

DROHENDE KOSTENEXPLOSION

Entgegen der Darstellung der ORF-Geschäftsführung wird der Ausbau am Küniglberg dem ORF und seinen Gebührenzahlern am Ende kein Geld ersparen. Statt der veranschlagten 300 Millionen Euro, die der ORF in den Um- und Ausbau des Küniglbergs investieren muss, werden bereits Schätzungen von mindestens 500 Millionen Euro kolportiert. Können und dürfen der Politik solche Aussichten bei einem im öffentlichen Auftrag handelnden Unternehmen egal sein?

VERSPIELTER STANDORTVORTEIL

Nur ein Standort für den ORF? Nicht, wenn er weit draußen am Stadtrand liegt. Österreich 1, FM 4 und Radio Wien brauchen die Nähe zum pulsierenden Geschehen im Innenstadtbereich. Es ist grober Unfug, einen idealen zentralen Standort wie den des Wiener Funkhauses aufzugeben. Einmal verkauft, ist es unwiderruflich dahin. Dass das Radiokulturhaus erhalten bleiben soll, ändert daran nichts. Denn welche Zukunft hat ein Radiokulturhaus ohne Radio?

RADIO MUSS IM FUNKHAUS BLEIBEN

... das fordern Hunderte Prominente aus Kultur und Wissenschaft und auch ORF-Journalist/inn/en, die sich zur Initiative "Radio muss im Funkhaus bleiben" bekennen, sowie bisher über 21.000 Hörer/inn/en auf verschiedenen Plattformen. Das ist eine größere Unterstützung, als sie so manches Volksbegehren hat. Die Politik verspielt ihre Glaubwürdigkeit bei den Meinungsbildnern, wenn sie diese Stimmen einfach überhört.

Wir appellieren an Sie: Unterstützen Sie uns bei unserem Engagement um die Erhaltung des Funkhauses.

Detailinformationen finden Sie auf: manifest-fuer-den-rundfunk.at

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Ruiss, Elfriede Jelinek, Karl Markovics, Agnes Husslein-Arco." (red, derStandard.at, 15.12.2014)

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