Bedrohte Arten sind in Verbreitungsmodellen häufig unterrepräsentiert

4. Jänner 2015, 18:28
3 Postings

Schlechte Datenlage zu gefährdeten Spezies verfälscht das Ergebnis von Modellen, die eigentlich Schutz gewährleisten sollten

Frankfurt/Main - Aufgrund begrenzter finanzieller Ressourcen müssen beim Naturschutz räumliche Prioritäten gesetzt werden. Deshalb werden für die Planung von Schutzgebieten Verbreitungsmodelle von Arten herangezogen. Diese Verbreitungsmodelle sind jedoch nur bedingt geeignet, um bedrohte Arten zu schützen: Aufgrund der häufig schlechten Datenlage werden gerade sie oft nicht ausreichend berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie internationaler Forscher im Fachblatt "Diversity and Distributions".

Die Wissenschafter stützen ihre Schlussfolgerung auf die beispielhafte Analyse 733 afrikanischer Amphibienarten. Klimawandel, die Zerstörung ihrer Lebensräume und Krankheiten lassen einen massiven Rückgang dieser Arten befürchten. Das Vorkommen vieler Arten der tropischen Biodiversitäts-Hotspots ist allerdings wenig dokumentiert, sie haben im Vergleich zu Arten aus gemäßigten Breiten häufig kleinere Verbreitungsgebiete.

Schutzwürdigkeit herabgesetzt

Viele der untersuchten Amphibienarten stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation International Union for Conservation of Nature (IUCN). "Doch genau da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn das seltene Vorkommen dieser Arten, das ihren Bedrohungsstatus erhöht, lässt sie gleichzeitig in den Verbreitungsmodellen unsichtbar werden, die oft Entscheidungsgrundlagen für den Naturschutz darstellen", sagt Christian Hof vom LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum. "Unsere Untersuchung hat ergeben, dass für 400 der untersuchten Amphibienarten, also mehr als die Hälfte, aufgrund ihrer geringen Verbreitung so wenige Daten vorliegen, dass sie aus statistischen Gründen in Verbreitungsmodellen nicht berücksichtigt werden können."

Mit Modellprojektionen, die Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet nicht ausreichend berücksichtigen, werden für den Naturschutz wichtige Regionen in ihrer Schutzwürdigkeit herabgesetzt. "Dabei ist unter Klimawandelaspekten der Fortbestand sowohl kleinräumig als auch weit verbreiteter Arten in denjenigen Gebieten am wahrscheinlichsten, die tatsächlich bereits als Gebiete von besonderer Schutzwürdigkeit identifiziert wurden", so Hof.

Eine Voraussetzung für die Verlässlichkeit von Verbreitungsmodellen ist, dass für die Kalibrierung der Modelle genug Verbreitungsdaten einzelner Arten vorliegen. Dies sei bei den meisten bedrohten Arten nicht der Fall, Abhilfe könne hier nur das Sammeln von mehr unmittelbaren Daten sowie eine höhere räumliche Auflösung der Modelle schaffen, so Hof: "Effektiver Naturschutz muss alle Arten berücksichtigen - nicht nur diejenigen, von denen die meisten Daten vorliegen." (red)

  • Leptopelis barbouri, auch Grüner Waldsteiger Kobold, zählt zu den vom Aussterben bedrohten Amphibien Tansanias.
    foto: michele menegon

    Leptopelis barbouri, auch Grüner Waldsteiger Kobold, zählt zu den vom Aussterben bedrohten Amphibien Tansanias.

Share if you care.