Uno zweifelt nach Gipfel am Erreichen der Klimaziele

Bericht14. Dezember 2014, 17:06
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Nach einem Tag Verlängerung konnte beim Klimagipfel in Lima doch noch ein Schlussdokument beschlossen werden

Lima - "Das Dokument ist verabschiedet", verkündete Perus Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal in seiner Funktion als Verhandlungsleiter des UN-Klimagipfels in Lima. Die vom Verhandlungsmarathon gezeichneten Delegierten jubelten über den erfolgreichen Abschluss: Das Ziel dieser Konferenz war erreicht - es liegt ein erster Entwurf für einen neuen Klimavertrag vor, der im kommenden Jahr beim nächsten Klimagipfel in Paris endgültig fixiert werden soll.

Doch die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten - in Form von scharfer Kritik am Schlussdokument. Eine "herbe Enttäuschung" sei das Verhandlungsergebnis, urteilte etwa WWF-Klimareferent Karl Schellmann. Denn nahezu alle wichtigen Entscheidungen seien auf 2015 vertagt - und es sei kein wirksamer Prozess für einen besseren Klimaschutz in den kommenden Jahren vereinbart worden.

Minimalkonsens

Das Abschlussdokument von Lima wurde allgemein als Minimalkonsens beurteilt. Demnach sollen die Regierungen bis zum 31. März ihre Klimaprogramme überarbeiten und ihre Vorhaben zur Reduzierung der Treibhausgase vorlegen - aus denen soll dann bis zum nächsten Klimagipfel im November 2015 ein Paket für einen neuen Klimavertrag geschnürt werden. Dass aber mit diesen Reduktionszusagen der Teilnehmerstaaten tatsächlich die Erderwärmung auf maximal plus zwei Grad erreicht werden kann, wird bereits jetzt vom UN-Klimasekretariat bezweifelt.

Vor allem aber: Es konnte in Lima keine Einigung darüber erzielt werden, in welchem Ausmaß die Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes zwischen den Industrieländern und ärmeren Nationen aufgeteilt werden solle. Nur in einem Punkt haben die Entwicklungsländer immerhin einen Fortschritt erzielt: Es wurde auch eine stärkere monetäre Unterstützung von den reicheren Nationen zugesichert, um Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels finanzieren zu können. Klare Vorgaben für die Industrieländer gibt es dabei allerdings nicht.

Vage Kompromisse

Und so blieben die in den zähen, zweiwöchigen Verhandlungen erzielten Kompromisse generell im sehr vage formulierten Bereich. Dementsprechend sahen auch die ersten Reaktionen aus.

"Das Ergebnis von Lima ist besorgniserregend schwach und bleibt weit hinter den Erwartungen und Notwendigkeiten zurück, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Der erzielte Minimalstkompromiss wird den Herausforderungen des Klimawandels auch nicht nur annähernd gerecht", kritisierte etwa Leonore Gewessler, Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation Global 2000.

"In Lima sollten die Fundamente für den Weltklimavertrag von Paris gelegt werden, doch es wurde nicht einmal die Baugrube fertiggestellt", bemängelte Martin Kaiser, Leiter des internationalen Klimateams von Greenpeace.

Kritik von allen Seiten

Sogar von den Industriellenverbänden hagelte es Kritik. In Österreich mahnten sowohl Industriellenvereinigung als auch Wirtschaftskammer einen bindenden internationalen Vertrag zur Treibhausgasreduktion ein - dies vor allem im Hinblick auf die "dringend erforderliche Standortsicherheit der energieintensiven Industrie".

Österreichs Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) zog hingegen ein "positives Resümee": Beim Gipfel sei "eine tragfähige Basis für die Erarbeitung eines globalen Klimavertrags geschaffen" worden. Für die Grünen-Umweltsprecherin Christiane Brunner sind das allerdings "nur Babyschritte" - das Ergebnis des Klimagipfels sei geradezu "besorgniserregend schwach". (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 15.12.2014)

  • Es herrschte ein wahres G'riss bei der Klimakonferenz in Lima, als das Abschlussdokument schließlich ausgegeben wurde. Der Jubel der erschöpften Delegierten verhallte allerdings rasch angesichts der internationalen Reaktionen.
    foto: epa / cop20 handout

    Es herrschte ein wahres G'riss bei der Klimakonferenz in Lima, als das Abschlussdokument schließlich ausgegeben wurde. Der Jubel der erschöpften Delegierten verhallte allerdings rasch angesichts der internationalen Reaktionen.

  • Gegen Ende gab es nur noch kurze Pausen für die Delegierten.
    foto: reuters / enrique castro-mendivil

    Gegen Ende gab es nur noch kurze Pausen für die Delegierten.

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