Die letzte "Wetten dass..?"-Show: Leberwurst und Schluss

14. Dezember 2014, 15:02
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Wetten, dass..?" ging Samstagabend zum letzten Mal über die Showbühne. Markus Lanz moderierte den Abgesang, der zur Peinlichkeit wurde

Nach der zweiten Wette war die Show dort, wo sie eh hinwollte: am Ende. Wettkandidat Paul ist sieben Jahre alt, und er wollte blind erkennen können, welcher Hund ihm Leberwurst von der Hand schleckt. Igitt. Aber es kam schlimmer. Nämlich als Paul beschrieb, mit welcher Intensität der jeweilige Hund ihm die Leberwurst von der Hand fraß. Stoisch und irritierend zugleich wiederholter Paul dabei immer wieder die Worte: "Leckt zart." Das fand sogar der Blödelbarde Otto bizarr, der als Gast eingeladen war.

Mit dieser Wette hat die Sendung einen Schlusspunkt gesetzt, der Nostalgie unmöglich macht. Viel hätte hier stehen können, vom Ende einer Ära, von einem Stück Fernsehgeschichte, aber nach diesem Ereignis waren alle nur noch froh, dass es vorbei war. Nur, vorbei war es da noch länger nicht. Wir können Paul im Nachhinein sogar ein wenig dankbar sein, denn auch wenn das Zuschauen wehtat, sein Tun und die Reaktionen der Umstehenden hatten einen skurrilen Unterhaltungswert. Ansonsten gab es die weiße Couch, kaum Stars, ein paar Erinnerungen an Stars und noch vier mittelmäßige Wetten.

Darüber hinaus schaffte es der Untergangsverwalter Markus Lanz mit bemerkenswerter Präzision, an den kritischen Stellen das Falsche zu sagen. Mit den Worten "Schau mal, deine Brille" gab er dem blinden Wettkandidaten die seine zurück. Im Gespräch mit Samuel Koch, der seit seinem Unfall vor vier Jahren bei "Wetten, dass..?" im Rollstuhl sitzt, patzte Lanz unangenehm, als er sagte: "Du hast offensichtlich nicht nur deinen Humor verloren."

Das Schlimme daran war nicht der Moderationsfehler, sondern die Ignoranz, mit der Lanz weitermachte. So als wäre es niemandem aufgefallen, dass hier etwas schiefgelaufen ist. Das aber war gestern Abend einfach zu viel verlangt. (mka, jmy, derStandard.at, 14.12.2014)

  • Sind es Tränen des Abschiedsschmerzes, die dem Moderator Markus Lanz hier kommen? Vielleicht. Vieles blieb unerklärbar.
    foto: reuters/ralph orlowski

    Sind es Tränen des Abschiedsschmerzes, die dem Moderator Markus Lanz hier kommen? Vielleicht. Vieles blieb unerklärbar.

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