2014: Das Jahr in Selfies

26. Dezember 2014, 09:53
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Stargespickte Oscar-Fotos, gefährdete Radfahrer und eine royale "Photo Bomb"

Sie werden geliebt wie verachtet, fanden 2014 sogar den Weg ins Wörterbuch und sind ein omnipräsentes Bildformat: Auch heuer gab es eine Menge schlagzeilenträchtiger Selfies zu begutachten. Die meisten entstanden aus einem fröhlichen Anlass, manche hatten sogar politische Implikationen - und ein Selfie-Versuch forderte leider sogar zwei Todesopfer. Das Jahr in Selfies.

Oscars: Stargespickte Samsung-Werbung

Die meisten Rekorde brach 2014 ein Selfie, der von der Oscar-Moderatorin Ellen DeGeneres geschossen wurde. Zu sehen ist darauf die Creme de la Creme Hollywoods: Unter anderem Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Julia Roberts, Kevin Spacey, Brad Pitt und Bradley Cooper. Das brachte schon in der Oscar-Nacht über 2 Millionen Retweets, mittlerweile wurde der Selfie 3,3 Millionen mal geteilt.

NSA-Enthüller in Moskau

Das netzpolitische Äquivalent zum Oscar-Selfie ist wohl folgendes Bild: Es zeigt NSA-Whistleblower Edward Snowden (links) mitsamt Filmemacherin Laura Poitras (rechts) und Aufdecker Glenn Greenwald (2.v.r.). Gepostet hatte das Bild Greenwalds Lebensgefährte David Miranda.

US-Staatsspitze in der Limo

US-Präsident Barack Obama ist ohnehin berühmt für seine Selfies. 2014 kam es gar zum Skandal, weil Samsung ohne Erlaubnis mit einem Obama-Selfie Werbung betrieb. Ganz sicher einverstanden war der US-Präsident wohl mit folgendem Foto, das von Vizepräsident Joe Biden aufgenommen worden ist.

Pals. (h/t @VP)

Ein von The White House (@whitehouse) gepostetes Foto am

Royale Photobomb

Eines der am meisten verbreiteten Selfies des Jahres wurde von den australischen Hockey-Spielerinnen Jayde Taylor und Brooke Peris bei den Commonwealth-Games aufgenommen. Die zwei Sportlerinnen dürften für den viralen Erfolg des Bildes allerdings nur eine Nebenrolle gespielt haben: Denn im Hintergrund drängt sich - ohne das Wissen der Fotografierenden - Queen Elizabeth ins Bild. Eine klassische Photobomb also.

Die Clintons bei Kimmel

US-Komiker Jimmy Kimmel wusste hingegen genau, wen er da gerade fotografierte: Einen ehemaligen US-Präsidenten, eine Präsidentschaftsanwärterin und deren nicht minder ambitionierte Tochter. Genau, es handelt sich um den Clinton-Clan: Bill, Hillary und Tochter Chelsea.

Django Unchained

In Österreich kommen Selfies hingegen eher langsam in der Spitzenpolitik an. Für seinen Twitter-Einstand zückte aber der damals frisch gekürte ÖVP-Parteiobmann Reinhold Mitterlehner seine Smartphone-Kamera.

Kardinal macht Pilger-Selfie

"Mein erstes Selfie", titelt Kardinal Christoph Schönborn einen Schnappschuss, das ihn am Berg Monserrate im kolumbianischen Bogota zeigt. Das gefällt mittlerweile mehr als 12.000 Facebook-Nutzern. Den höchsten Segen für Selfies gab übrigens im August 2013 Papst Franziskus selbst, als er mit Anhängern in Rom posierte.

Rise like a phoenix

Der wohl meistgeteilte in Österreich aufgenommene Selfie stammte 2014 - natürlich - von Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst. Das Foto, vermutlich mit Selbstauslöser aufgenommen, zeigt die Travestie-Künstlerin am Tag nach dem Song-Contest Sieg. "Thank You!!!", so Conchita Wurst.

Österreichs Top-Sportler

Von Zwist zwischen Fußball und Skifahren war in Österreichs Sportwelt zumindest im April noch nichts zu bemerken. Da postete Skistar Marcel Hirscher ein Selfie mit David Alaba. Als dann im Herbst die Sportlerwahl des Jahres zugunsten Alabas ausging, zeigte sich der ÖSV weniger einträchtig.

Geschmacklos und gefährlich

Es mag einige Menschen geben, die Selfies prinzipiell ablehnen - etwa, weil sie einen Hang zur Selbstdarstellung fördern. Ganz abgesehen davon gibt es aber auch jene speziellen Selfies, die bei fast allen auf Ablehnung stoßen. Für große Aufregung sorgten 2014 etwa Aufnahmen entlang der Tour de France. Die Radfahrer beschwerten sich sogar offiziell, dass Selfie-Aufnehmende sowohl ihre eigene als auch die Sicherheit der Sportler gefährdeten.

Ebenso kontrovers und umstritten sind Aufnahmen an Gedenkstätten. So geriet etwa eine junge US-Amerikanerin heftig in die Kritik, als sie ein Bild veröffentlichte, dass sie lächelnd im ehemaligen Nazi-Konzentrationslager Auschwitz zeigte. Später verteidigte sich die junge Frau, sie habe an ihren Vater gedacht, der historisch sehr interessiert sei und immer die Gedenkstätte besuchen haben wollen. Im Vorjahr sei er gestorben, jetzt sei sie es ihm zu Ehren allein nach Polen gereist.

Was kommt 2015

Für das nächste Jahr ist jedenfalls keineswegs mit einem Abflauen der Selfie-Aufnahmen zu rechnen. Im Gegenteil: Manche munkeln, dass mit der zunehmenden Verbreitung von unbemannten Fluggeräten bald eine Selfie-Sonderform an Bedeutung gewinnen wird - der Drohnie. (fsc, 26.12.2014 derStandard.at)

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