US-Gerichtsmedizin sieht Tötungsdelikt im Fall Tamir Rice

12. Dezember 2014, 21:27
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US-Polizei hatte Zwölfjährigen wegen Spielzeugpistole erschossen

Washington - Die Gerichtsmedizin von Cleveland im US-Bundesstaat Ohio hat den Fall des wegen einer Spielzeugpistole erschossenen zwölfjährigen Schwarzen Tamir Rice Medienberichten zufolge als Tötungsdelikt eingestuft. Todesursache sei eine Schusswunde im Oberkörper gewesen, zitierte der Nachrichtensender CNN am Freitag aus Dokumenten der Gerichtsmedizin.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den weißen Polizisten eingeleitet, der die tödlichen Schüsse abfeuerte. Über eine Anklage muss aber eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern befinden.

Der tragische Fall ereignete sich am 22. November. Anrainer hatten die Polizei gerufen, weil Rice in einem Park mit einer Spielzeugpistole herumfuchtelte. Die Angaben, dass es sich vermutlich um eine unechte Waffe in den Händen eines Kindes handle, wurden aber offenbar nicht richtig an die Streifenwagen übermittelt. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, wie ein Polizeiwagen auf den Jungen zurast und kurz vor ihm stehen bleibt. Fast im selben Moment eröffnet ein Polizist das Feuer. Der Beamte und ein ebenfalls anwesender Kollege sind derzeit vom Dienst freigestellt.

Rice' Mutter Samaria forderte eine Verurteilung der beiden involvierten Polizisten. Anfang der Woche verlangte sie im TV-Sender ABC, dass die Beamten "dafür verantwortlich gemacht werden, was sie meinem Sohn angetan haben". Die Familie reichte außerdem eine Zivilklage gegen die beiden Polizisten und die Stadt Cleveland ein.

Ähnliche Fälle aus den vergangenen Monaten hatten zu landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt. Mitte Juli war in New York der asthmakranke schwarze Familienvater Eric Garner gestorben, nachdem ihn ein weißer Polizist bei einer Festnahme in den Würgegriff nahm und diesen nicht lockerte. Anfang August erschoss ein weißer Polizist den unbewaffneten 18-jährigen Schwarzen Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson. Er beteuerte, nach einem Handgemenge in Notwehr gehandelt zu haben. In beiden Fällen lehnte eine Grand Jury aus überwiegend weißen Laienrichtern eine Anklage der Polizisten ab. (APA, 12.12.2014)

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