Experten sehen keine Gesundheitsgefährdung durch HCB

12. Dezember 2014, 20:51
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AGES: Grenzwerte und toxikologische Werte überschritten, aber keine Gefahr - Toxikologe: HCB-Dosis nicht ausreichend, um Krebs zu erzeugen

Brückl/Wien - Rund 400 Besucher haben Freitagabend in Brückl (Bezirk St. Veit) die erste öffentliche Informationsveranstaltung des Bundeslandes Kärnten nach dem Bekanntwerden der Umweltverschmutzung durch Hexachlorbenzol (HCB) im Görtschitzal besucht. "Ich kann Ihnen garantieren, dass Sie keine Gesundheitsgefährdung erlitten haben", sagte Umweltmediziner Michael Kundi.

Auch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) kommt in einer Freitagabend veröffentlichen Risikobewertung zu dem selben Schluss. Es habe zwar eine Überschreitung von Grenzwerten und auch von toxikologischen Werten gegeben, sagte Johann Steinwider von der AGES. Bis zu einer echten Gesundheitsgefährdung sei jedoch noch ein großer "Sicherheitspuffer" eingebaut. Und dieser sei bei weitem nicht erreicht worden, so Steinwider.

"Die Dosis macht das Gift", erklärte Kundi. Wäre HCB noch mehrere Jahre emittiert worden, hätte es durchaus auch zu einer Gesundheitsgefährdung kommen können. "Deshalb muss das auch gestoppt werden", so Kundi. Das von der Firma Wietersdorfer emitierte HCB, das vom Körper möglichreweise aufgenommen worden sei, sei nicht ausreichend, um Krebs zu erzeugen, erklärte Toxikologe Winfried Bursch.

Belastung weitgehend vorbei

Auch Karl Kienzl vom Bundesumweltamt konnte einigermaßen Entwarnung geben. In der kommenden Vegetationsperiode sei die aktuelle Belastung weitgehend vorbei. "Man wird sich das aber natürlich weiter ansehen müssen", so Kienzel. Spazierengehen oder im Freien spielende Kinde seien nach den vorliegenden Ergebnissen jedenfalls "überhaupt kein Problem".

Die anwesenden Landespolitiker - LH Peter Kaiser, LHStv. Beate Prettner (beide SPÖ) sowie die Landesräte Christian Benger (ÖVP) und Rolf Holub (Grüne) - mussten sich von der Bevölkerung dennoch einiges anhören. "Schießbudenfiguren" und "Betrüger" wurden die Politiker unter anderem genannt. "Wir sind grob getäuscht worden und das Krisenmanagement war katastrophal", sagte etwa ein Görtschitztaler.

"Wir bedauern sehr, dass wir eine Situation haben, die niemand wollte", erklärte Kaiser und versprach den Menschen jede Unterstützung. "Wir werden verdammt viel Arbeit haben, dass wir den Schaden beseitigen und eine Perspektive für das Tal schaffen", sagte der Landeshauptmann. Landesrat Benger kündigte einen "Soforthilfefonds" an, der bereits am kommenden Dienstag in einer Regierungssitzung beschlossen werden soll. Prettner versprach, die Bevölkerung vor weiteren Belastungen zu schützen und Holub entschuldigte sich einmal mehr bei den Menschen. (APA, 12.12.2014)

  • Informationsveranstaltung der Kärntner Landesregierung.
    foto: apa/eggenberger

    Informationsveranstaltung der Kärntner Landesregierung.

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