CSU-Albtraum Gabriele Pauli ist jetzt reif für die Insel

Kopf des Tages13. Dezember 2014, 09:03
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Ehemalige CSU-Landesrätin kritisierte einst Edmund Stoiber - Heute tritt sie als Parteilose in Sylt an

Bürgermeisterin der Nordseeinsel Sylt will Gabriele Pauli werden - sagt sie. Doch das Medieninteresse an ihrer Kandidatur ist so groß, dass man den Eindruck gewinnt, die 57-Jährige strebe nichts Geringeres als den CSU-Vorsitz an - ganz schlechter Scherz natürlich. CSU und Pauli, das war einmal, und es wird nie wieder kommen.

Latexlady, Königsmörderin, CSU-Rebellin, rote Landrätin (der Haarfarbe wegen) - der Fantasie waren kaum Grenzen gesetzt, als es galt, Bezeichnungen für sie zu finden. Zuletzt war es ruhig geworden. Jetzt aber ist Pauli wieder dort, wo sie sich schon früher nicht ungern aufhielt: im Rampenlicht.

Einer breiten Öffentlichkeit wird sie im Jahr 2006 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt ist sie bereits 16 Jahre lang Landrätin von Fürth (bei Nürnberg). Jüngste Landrätin in Deutschland, erste Landrätin der CSU - aus Pauli hätte noch was werden können.

Doch die Mutter einer Tochter macht - eben 2006 - aus CSU-Sicht einen Kardinalfehler. Sie kritisiert den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber nicht nur als abgehoben, sie fordert ihn auch zum Rückzug auf und macht obendrein publik, dass Stoibers Büroleiter sie bespitzelt habe, um sie mundtot zu machen. Es ist der Anfang vom Ende Stoibers, wenig später gibt er auf.

"Hexe! Hexe!", brüllt es daraufhin Pauli beim politischen Aschermittwoch 2007 entgegen. Pauli hält eisern lächelnd durch, sie hat zu dieser Zeit auch Sympathisanten in der CSU.

Doch dann wird ihr Fürth zu eng, sie strebt nach Höherem, will ein Amt in der Landesregierung. Für das Hochglanzmagazin Park Avenue lässt sie sich in lasziver Pose ablichten. Als sie sich im Herbst 2007 um den CSU-Vorsitz bewirbt und die Partei programmatisch darauf einschwören will, die Ehe auf sieben Jahre zu befristen (weil sich dann eh die meisten scheiden lassen), ist das auch den letzten Getreuen zu viel.

Im November 2007 tritt Pauli aus der CSU aus, findet aber 2008 eine neue Heimat: die Freien Wähler (FW), für die sie zunächst in den bayerischen Landtag zieht und später dann ins EU-Parlament will. Doch bevor es so weit ist, ist man so zerstritten, dass Pauli 2009 aus der Fraktion geworfen wird.

Einmal versucht sie es noch und gründet 2009 die "Freie Union". Doch ein Jahr später tritt sie wieder aus. Dass Partei und Pauli irgendwie nicht zusammenpassen, hat sie immerhin eingesehen. Auf Sylt kandidiert sie als Parteilose. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 13.12.2014)

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    foto: standard/dpa
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