Speisekarten mit Allergieinformationen: Ein Schritt zu mehr Industrie

Kommentar12. Dezember 2014, 17:12
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Für die großen Industrieeinheiten erschließt sich der Markt der bisher unabhängigen Gastronomen

Die Umsetzung des Wortungetüms "EU-Lebensmittelinformationsverordnung" ist Wasser auf die Mühlen der Bürger, die in Brüssel einen abgehobenen Bürokratenhaufen sehen. Einen, der sich von der Industrie und ihrem finanzstarken Lobbyismus leiten lässt.

Denn getreu der Frage, wem es nütze, sind es vor allem die mächtigen Nahrungsmittelkonzerne, die von einer Allergie-Kennzeichnung profitieren. Bisher waren die vielen kleinen Wirte und Beislbesitzer in ganz Europa (man denke an den Süden!) recht unabhängig. Die Gastronomen bastelten mehr oder weniger erfolgreich an ihrem täglichen Angebot. Im Idealfall ließen sie sich dabei von dem leiten, was gerade gut und günstig zu haben war. Wenn sie es wollten, waren die Wirte unabhängig von den Segnungen der großen Lebensmittelkonzerne mit ihren standardisierten Produkten, fertig oder auch nur teilgegart.

Die Verordnung spielt den großen Industrieeinheiten in die Hände. Für diese erschließt sich ein recht einheitlicher Markt von Schweden bis Zypern: der Markt der bisher unabhängigen Gastronomen. So mancher wird sich die Arbeit (und das Risiko) mit der selbstständigen Ausschilderung seiner Speisen nicht antun wollen. Er wird sich auf die sichere, bequemere Seite begeben und künftig das beziehen, was ihm die Gastrozulieferer anbieten. Da kann er nämlich die Allergen-Infos einfach abschreiben, die die Industrie auf der Verpackung aufgedruckt hat. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 13.12.2014)

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