Studie: Warum Zeitschriften beim Arzt alt oder schlecht sind

13. Dezember 2014, 09:00
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Wer viel Zeit in Wartezimmern verbringt, weiß, dass der Lesestoff dort meist keine Freude und vor allem unaktuell ist - ein Studie hat erforscht, warum

Es ist immer wieder dieselbe Enttäuschung. Wer im Wartezimmer einer Ordination zu sitzen kommt und merkt, es könnte länger dauern, will sich die Zeit mit dem Durchblättern von Magazinen vertreiben. Allein: Die, die auf den Tischen rumliegen, sind entweder alt oder Informationsbroschüren. Nichts, womit man die Zeit kurzweilig überbrücken könnte.

Bruce Arrol von der Universität Auckland in Neuseeland beschäftigt sich mit Epidemiologie und Fragen der Patientenzufriedenheit bzw. der Patientenunzufriedenheit. Immer wieder hörte er Beschwerden darüber, dass der Lesestoff in Wartezimmern von Arztpraxen alt und unaktuell ist. Arrol wollte die Dynamik dafür erforschen und statistisch erfassen.

Klatsch und Tratsch

In einer Kohortenstudie wurde untersucht, welche Magazine aus Ordinationen verschwinden. Dafür ordneten die Forscher 87 Magazine in drei Stößen auf dem Wartezimmertisch einer Arztpraxis in Auckland. Mehr als die Hälfte der Hefte war maximal zwei Monate alt, die anderen drei drei bis zwölf Monate. Die Forscher unterschieden zwischen Nicht-Klatschpresse ("Time", "Economist", "BBC History" etc.) und Klatschpresse mit Titeln, die Prominente auf dem Cover hatten.

Das Ergebnis: Nach 31 Tagen waren 41 der 87 Hefte verschwunden, vor allem die neueren Hefte fehlten. Für einen Arzt heißt das, dass er 1,32 Magazine pro Tag verliert. Vor allem die Klatschpresse scheint bei wartenden Patienten so beliebt zu sein, dass sie die Hefte sogar mitnehmen. Seriöse Magazine wie "Time" oder "Economist" blieben liegen. Die Studie von Bruce Errol ist eben im "British Medical Journal" erschienen.

Als Nächstes will Errol erforschen, warum die Magazine abhanden kommen und ob die Anwesenheit von Sprechstundenhilfen eine Rolle spielen könnte. (Karin Pollack, derStandard.at, 12.12.2014)

  • Eine Frage der Auswahl: Wenn die Zeitschriften gut wären, könnte Warten beim Arzt interessant sein - das Gegenteil ist der Fall.
    foto: cremer

    Eine Frage der Auswahl: Wenn die Zeitschriften gut wären, könnte Warten beim Arzt interessant sein - das Gegenteil ist der Fall.

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