1,5 Millionen mehr im Fördertopf: Stadt Wien will innovative Kunst

12. Dezember 2014, 14:19
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"Shift" bietet jährlich 22 Projekten Förderungen in unterschiedlicher Höhe - Summe für drei Jahre garantiert

Wien - Innovation, Impuls, Nachhall: Kunst- und Kulturprojekte, die solche Fähigkeiten mit- und für die Stadt einbringen können sowie "zwischen allen Fördertöpfen sitzen", haben nun die Chance auf "frisches Geld" (Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, SPÖ). Die rot-grüne Koalition in Wien hat für die nächsten drei Jahre jeweils zusätzliche 1,5 Millionen Euro budgetiert: "Shift" heißt das am Freitag präsentierte Förderprogramm, das künftig 22 Projekten unterschiedlicher Größenordnung zu Gute kommt (15 x 25.000 Euro, 5 x 100.000, 2 x 250.000).

Als Möglichkeit für Kreative und Kulturschaffende, die "vordenken" und "bekannte Wege und Verhältnisse infrage stellen", bewertet es Mailath-Pokorny. Als Potenzial, soziale und geografische Peripherien - "kulturelle Wüsten" in Bezirken jenseits des Gürtels - aufzuwerten, sieht es der Wiener Grünen-Kulturchef Klaus Werner-Lobo. Den vergleichsweise hoch dotierten Subventionstopf sehen die Grünen auch als ausgleichende Maßnahme für die erfolgte Unterstützung für die Vereinigten Bühnen Wien (VBW). Offiziell sprach Lobo von "einem der größten Erfolge der rot-grünen Kulturpolitik".

Man erhofft sich spartenübergreifende Initiativen mit "Nachhall", aber nicht unbedingt "Nachhaltigkeit", denn Projekte werden nur einmalig gefördert. Das Dilemma von Folgesubventionen für entstehende Strukturen entfällt somit. Von "Sternschnuppen" sprach etwa Musikerin Eva Jantschitsch, Teil der fünfköpfigen Jury, in der außerdem Kulturwissenschafterin Natalie Bayer, die Theaterdramaturgin Nadine Jessen, der Linzer Tabakfabrik-Direktor Chris Müller und der Architekten und Designer Mark Neuner sitzen.

Man müsse über diese Begrifflichkeiten noch diskutieren, sagt Jantschitsch. Darüber wie man "Innovation" oder "Nachhall" definiere und bemesse, gibt es keine einhelligen Meinungen. Vom "Initiieren gesellschaftlicher Debatten" und "Ändern des Blicks", sprach etwa Bayer, Mailath-Pokorny hingegen vom Ausloten dessen was in Wien möglich ist: Eine "Grundlagenforschung" sei das, für die es auch "die Möglichkeit des Scheiterns geben muss". Werner-Lobo hofft auf Projekte - etwa zu Themen wie Migration, Homophobie, Rassismus, Sexismus -, die "was in Bewegung bringen, was dann weiterrollen kann." Konkretere Bilder will auch Werner-Lobo nicht schaffen, schließlich habe er am Anfang auch nicht gewusst, was einmal aus der von ihm initiierten Wienwoche werde.

Die Projektausschreibung für "Shift" erfolgt im Jänner 2015, bis Ende April kann eingereicht werden, die Abwicklung erfolgt über das Volksbildungswerk Basis Kultur Wien, deren Verwaltungsaufwand mit jährlich 125.000 Euro von der Gesamtsumme entgolten wird.

Als "homöopathische Dosis" bezeichnete die Kultursprecherin der Wiener VP, Isabella Leeb, die bei "Shift" binnen drei Jahren ausgeschütteten 4,5 Millionen Euro für die freie Szene, und kleine und mittlere Institutionen. Die bewilligten 12 Millionen Euro für die VBW bezeichnete sie in einer ersten Reaktion als "Dauerinfusion". Weiters fragt Leeb, warum die Abwicklung nicht im Kulturamt erfolge. (kafe, DER STANDARD, 13.12.2014, Langfassung derStandard.at)

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