Schenken könnte man auch ...

14. Dezember 2014, 09:00
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Tipps von STANDARD-Redakteurinnen und -Redakteuren

Mia Eidlhuber

Was Lesefreude schafft

Das Mädchen Isa aus Wolfgang Herrndorfs letztem Romanfragment Bilder deiner großen Liebe (Rowohlt-Verlag, € 16,95) ist vielleicht ein letztes Alter Ego des 2013 verstorbenen Autors. Einzigartig und hochpoetisch.

Was für Spannung sorgt

Sascha Stanisic erzählt in Vor dem Fest (Luchterhand-Verlag, 2014, € 20,60) stilistisch grandios Geschichten über ein ostdeutsches Dorf, das sich als wahre Fundgrube für prototypisches Personal erweist.

Was heiter stimmt

Um Vögel zu sehen, muss man ein Teil der Stille werden. Wer dazu bereit ist, ist mit dem hübschen Buch Vögel (Unionsverlag, 2014, € 18,95)von Malcolm Tait und Olive Tayler bestens bedient. Erhebend!


Alexandra Föderl-Schmid

Was Lesefreude schafft

Ein Wälzer, aber gut geschrieben: Anthony Beevor bietet in seinem Buch Der Zweite Weltkrieg (C.-Bertelsmann-Verlag, € 41,20) neue Aspekte zu einem Thema, über das man meint, eh schon alles zu wissen.

Was für Spannung sorgt

Sie begegnen einander drei Mal: Max und Mecha, und die Dinge geraten jedes Mal außer Kontrolle. Belletristische Spannung bietet das Buch Dreimal im Leben des spanischen Autors Arturo Pérez Reverte (Insel, € 10,30)

Was heiter stimmt

Nein, heiter ist es nicht, aber es macht Mut, weiterzuleben – trotz alledem: Saskia Jungnikls Buch über den Selbstmord ihres Vaters: Papa hat sich erschossen (Fischer-Verlag, € 15,50).


Stefan Gmünder

Was Lesefreude schafft

Im Moment ist er außer Form, einst aber schrieb Philippe Djian rasante Romane über jene Typen, die man am Lodern ihrer inneren Flamme erkennt. Zorg in Verraten und verkauft (Diogenes, € 12,30) ist einer davon.

Was für Spannung sorgt

Das Taumeln durch eine wegweiserlose Alles-ist-möglich-Gesellschaft thematisiert Markus Werners Roman Am Hang (S. Fischer, € 18,40), in dem sich schicksalshaft die Wege zweier Männer kreuzen.

Was heiter stimmt

Wie man den Zumutungen der Welt elegant und politisch inkorrekt trotzt, führt Wiglaf Droste einmal mehr in seiner neuen, höchst schenkenswerten Textsammlung Der Ohrfeige nach vor (Edition Tiamat, € 14,00).


Dominik Kamalzadeh

Was Lesefreude schafft

Weltenbummler Blaise Cendrars ließ 1926 ein Ungetüm los: einen amoralischen Triebgeist, Kind grausamer Zeiten. Die Andere Bibliothek hat Moravagine (€ 39,10) neu ediert: eine prächtig gestaltete Zumutung.

Was für Spannung sorgt

Spannung und worauf sie eigentlich abzielt: Der Soziologe Luc Boltanski geht in Rätsel und Komplotte (Suhrkamp, € 40,10) der Frage nach, wie Kriminalliteratur aus dem Zweifel an der Realität entstanden ist.

Was heiter stimmt

Analogien, Verdachtsmomente, Paranoia – ein Irrgarten der Zeichen: Witold Gombrowicz’ Kosmos (Fischer, € 9,20) erzählt von einer Landpartie, bei der die Welt grandios aberwitzig aus den Fugen gerät.


Ronald Pohl

Was Lesefreude schafft

Ein Schauspieler verliert sich. Durch den Tod der Tochter tut sich ein Feld voller schwarzer Löcher auf. In Im Lichte der Vergangenheit (Kiepenheuer, € 20,60) taumelt John Banville auf Vladimir Nabokovs Pfaden.

Was für Spannung sorgt

Boris Groys ist ein Athlet der paradoxen Reflexion. Der russische Philosoph erklärt in der Einführung in die Anti-Philosophie (Hanser, € 21,50), wie sich das Denken selbst am wirkungsvollsten abschafft.

Was heiter stimmt

Nach der Lektüre von Peter Sloterdijks Tagebuch Zeilen und Tage: Notizen 2008–2011 (Suhrkamp, € 25,70) wird klar: Man kann Nietzsche geistig beerben und trotzdem ein Leben voller Annehmlichkeiten führen!


Christian Schachinger

Was Lesefreude schafft

Auch in Leben (Luchterhand, € 27,70), dem vierten Teil der Autobiografie Karl Ove Knausgards, geht es faszinierend banal, selbstquälerisch wie philosophisch um das Leiden des mittelständischen Mannes.

Was für Spannung sorgt

Großraumbüro, Überwachungsstaat, Verrat, Sadomaso-Sex, Terrorismus, nackte Angst. Der Argentinier Guillermo Saccomanno deutet in Der Angestellte (KiWi, € 19,60) Kafka als Paranoiker aus der Zukunft.

Was heiter stimmt

Johannes Witek schickt in Voltaires Arschbacken (Chaotic Revelry, € 15,95) einen Journalisten in die heimische Provinz, um einen dichtenden Menschenfeind zu interviewen. Slapstick auf höchstem Niveau.


Andrea Schurian

Was Lesefreude schafft

Philosophisch, absurd, klug, ironisch, aber nicht zynisch: Heinrich Steinfests Der Allesforscher (Piper, € 19,99) ist ein im wahrsten Sinn des Wortes unglaublicher Roman über Lieben und Leben.

Was für Spannung sorgt

Nebeneingang oder Haupteingang? (Suhrkamp Spectaculum, € 20,60): spannende Fragen über 50 Jahre Schreiben, die der sensible Theatermann Thomas Oberender mit dem Dichter Peter Handke erörtert.

Was heiter stimmt

Universalkünstler Christian Qualtinger und Illustrator Reinhard Trinkler haben aus Helmut Qualtingers Paradeopportunisten einen schrecklich-komisch-schönen Comic gemacht: Der Herr Karl (Amalthea, € 19,95)


Christoph Winder

Was Lesefreude schafft

77 Jahre und kein bisschen leise: Der greise Thomas Pynchon geigt in seinem 9/11-Krimi Bleeding Edge (Rowohlt, € 30) wieder cool auf und verknüpft frühen Internet-Irrwitz mit viel Paranoia und viel Manhattan.

Was für Spannung sorgt

Was folgt, wenn der Mensch und sein Verhalten bis in die kleinsten Details beschreibbar werden? Anregendes und Alarmierendes von Geo-Chef Christoph Kucklick über Die granulare Gesellschaft (Ullstein, € 18,–)

Was heiter stimmt

André Bretons klassische Anthologie des schwarzen Humors (Rogner & Bernhard, € 13,–) versammelt Texte von Swift, Jarry, Grabbe, Baudelaire, Roussel, Arp, Picasso und etlichen anderen extravaganten Spaßvögeln.


Autoren des STANDARD haben außer Artikeln auch noch das eine oder andere Buch geschrieben.

Von Gregor Auenhammer erschien "Wien Texas – Von Österreichern, die in die Ferne gingen, um ihrer Heimat verbunden zu bleiben" (Metro-Verlag).

Armin Baumgartners Buch "Almabtreibung" erschien bei Kitab.

Severin Corti und Georges Desrues haben bei Echomedia "Slow Food 2015 – Über 350 Gasthäuser in Österreich, Südtirol und Slowenien" herausgegeben.

Gudrun Harrers "Nahöstlicher Irrgarten – Analysen abseits des Mainstreams" erschien bei Kremayr & Scheriau (Shortlist für das Wissenschaftsbuch des Jahres, Kategorie Geisteswissenschaften).

Von Thomas Neuhold erschien "60 Super Skitouren" (Anton Pustet), "Die Salzburger Hausberge erleben" (mit Stefanie Ruep) und "Mein Tourentagebuch" (Servus).

Von Gerald John erschien im Akademiker-Verlag "Vom Widerstand zur Wende – Die Haltung der Österreichischen Grünen zur Europäischen Integration".

Saskia Jungnikl hat ihre ALBUM-Reportage über den Suizid ihres Vaters zu einem Buch ausgeweitet, das bei S. Fischer erschienen ist: "Papa hat sich erschossen".

Von Thomas Mayer erschien bei Styria "Frei in Europa – Österreich rückt ins Zentrum eines
turbulenten Kontinents".

Ronald Pohl hat bei Braumüller sein Buch "Klaus Maria Brandauer – Ein Königreich für das Theater" publiziert, sowie "die akte des vogelsangs. gedichte" (Ritter).

Erhard Stackl ist Herausgeber von "¡Atención! – Die besten Reportagen aus Lateinamerika" (Czernin).

Petra Stuiber veröffentlichte bei Czernin ihr Buch "Kopftuchfrauen – Ein Stück Stoff, das aufregt".

Von Christoph Winder (gemeinsam mit Robert Sedlaczek) erschien "Das unanständige Lexikon – Tabuwörter der deutschen Sprache und ihre Herkunft" bei Haymon.

(Album, DER STANDARD, 13./14.12.2013)

  • Artikelbild
    illustration: armin karner
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