Presserat: "Krone" schürt Ressentiments gegen Flüchtlinge

12. Dezember 2014, 11:01
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Schlagzeile "Mindestrentnerin muss aus Wohnung raus" wider besseres Wissen

Wien - "Salzburger Mindestrentnerin muss aus Wohnung raus, weil Asylwerber kommen - Für Flüchtlinge Frau gekündigt" titelte die "Krone". Und verletzte mit der Headline und dem Artikel gleich mehrfach den Ehrenkodex der österreichischen Presse, entschied Senat I des Presserats. Der Kodex verbiete Pauschalverunglimpfung und Diskriminieriung, und er schreibt vor, inhaltlich korrekt und gewissenhaft zu berichten. Beiden Kriterien genügte die Story nicht, sagt der Presserat.

"Heimat Österreich"

Die Krone berichtete Anfang September, der Vermieter "Heimat Österreich" habe den Mietvertrag einer 72-jährigen Mindestrentnerin gekündigt beziehungsweise nicht verlängert - da die Wohnung für Flüchtlinge benötigt würde. Zwei Nachbarn der Frau, Flüchtlingen aus Nepal, sei es ebenso ergangen, diese hätten Ende August 2014 ihre Wohnung räumen müssen. Die "Krone" zitiert "Heimat Österreich", dass es sich bei diesen Wohnungen um Starterwohnungen für Flüchtlinge handle, deren Verträge nach drei Jahren enden. Sie schreibt, dass für Kenner der Asylpolitik die Sache klar sei, da man mit Flüchtlingen in den Wohnungen 2300 bis 3000 Euro im Monat verdienen könne.

Renternin kann bleiben

Der Presserat vermisst korrekte Berichterstattung, weil Schlagzeile und Großteil des Artikels der Eindruck erweckten, die Mindestrentnerin müsse die Wohnung verlassen - obwohl am Schluss steht, sie könne bleiben. "Widersprüchlich" findet der Senat zudem, dass die Krone einerseits vom gekündigten, andererseits vom nicht verlängerten Mietvertrag schreibe; einerseits von Flüchtlingen, andererseits von Asylwerbern.

Pauschal verunglimpft

Diskriminierung beziehungsweise Pauschalverunglimpfung begründet der Senat so: Mit dem angeblichen Rauswurf einer Mindestrentnerin schüre die "Krone" Ressentiments gegenüber Flüchtlingen. Zudem mit dem Vorwurf angeblicher Geschäftemacherei mit der Unterbringung von Asylwerbern.

Den Presserat machten mehrere Leserinnen und Leser auf die Schlagzeile aufmerksam. Die "Krone" hat sich der Kontrolle des Presserats bisher nicht unterworfen. (red, derStandard.at, 12.12.2014)

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