Deutscher bei Anschlag in Kabul getötet

11. Dezember 2014, 18:23
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Auch zahlreiche Verletzte bei Angriff auf französisches Kulturzentrum

Kabul/Paris – Bei einem Selbstmordanschlag auf ein französisches Kulturzentrum in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Donnerstag ein Deutscher ums Leben gekommen, wie der amtierende Innenminister Afghanistans mitteilte. 20 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer, teilte Kabuls Polizeichef Abdul Rahman Rahimi mit. Zuvor hatten die Behörden von mindestens einem Toten und 16 Verletzten gesprochen.

Das deutsche Auswärtige Amt wollte zunächst weder bestätigen noch dementieren, dass es sich bei dem getöteten Ausländer um einen Deutschen handelt.

Sprengstoff in Unterwäsche

Ein 15 oder 16 Jahre alter Jugendlicher zündete den Sprengsatz in der Aula einer Schule, die auch das französische Kulturzentrum für Aufführungen nutzt. "Er hatte sich unter die Zuschauer einer Theateraufführung gemischt", sagte Rahimi. Den Sprengstoff habe er in der Unterwäsche versteckt gehabt.

Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid sagte laut Reuters, der Attentäter habe den Anschlag verübt, weil die Veranstaltung eine "Beleidigung islamischer Werte" sei und um "Propaganda von jihadistischen Operationen, insbesondere von Selbstmordattentätern zu verbreiten".

Schule mit Französischunterricht

Die von der französischen Regierung errichtete Schule ist eine von zweien, in denen Französisch als Fremdsprache unterrichtet wird. Sie befindet sich in der Nähe des Präsidentenpalasts und des afghanischen Außenministeriums.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius verurteilte den Terrorakt aufs Schärfste. Es sei eine barbarische Tat. In Kabul arbeite die französische Botschaft mit den Afghanen zusammen, um den Verletzten zu helfen, in Kabul und Paris seien Krisenstäbe gebildet worden. Fabius sprach von mehreren Toten, laut dem Außenministerium in Paris gab es keine französischen Opfer.

Das Kulturzentrum befindet sich im Zentrum der Stadt Kabul, nicht weit vom Präsidentenpalast entfernt. Es teilt sich das Areal mit der Istiklal-Oberschule, einer von Frankreich finanzierten Einrichtung, in der bereits Generationen afghanischer Kinder lernten. Eröffnet wurde das Kulturzentrum im Jahr 1970, von 1983 bis 2002 blieb es jedoch angesichts einer Reihe von Kriegen in Afghanistan geschlossen. 2003 wurde es wiedereröffnet und 2010 renoviert.

Anschlag auf Bus

Schon in der Früh hatte sich am selben Tag nahe Kabul ein Selbstmordattentäter der islamistischen Taliban in die Luft gesprengt und mindestens sechs afghanische Soldaten getötet. Der Attentäter war zu Fuß unterwegs; der Anschlag richtete sich gegen einen Bus, in dem die Soldaten unterwegs waren. Ein Sprecher der Taliban übernahm in einer Erklärung die Verantwortung für den Angriff.

Die beiden Angriffe vom Donnerstag ereigneten sich etwas mehr als zwei Wochen vor dem Ende des NATO-geführten Kampfeinsatzes in Afghanistan und zwei Tage nach der Veröffentlichung des US-Senatsberichts über Folterverhöre des US-Geheimdiensts CIA. In den vergangenen Wochen hatte es in der afghanischen Hauptstadt wieder vermehrt tödliche Anschläge gegeben. Die Islamisten griffen dabei neben einheimischen und ausländischen Soldaten auch Diplomatenfahrzeuge und Wohnanlagen an, in denen Ausländer wohnen.

Der scheidende US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte bei einem Besuch in Kabul am vergangenen Wochenende, die vermehrten Anschläge zeigten, dass die internationale Gemeinschaft nicht zögern dürfe, weiter für ein stabiles und sicheres Afghanistan einzutreten. Nach dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes soll eine deutlich kleinere Militärmission die afghanischen Sicherheitskräfte mit Ausbildern und Beratern unterstützen. An der Nachfolge-Mission beteiligt sich auch die Bundeswehr. Der afghanische Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah warnte in einem Interview am Wochenende, dass die westlichen Truppen sein Land verfrüht verließen. (APA, 11.12.2014)

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