Pornodreh in Kirche: Drei Monate bedingt für "Engerl" Babsi

11. Dezember 2014, 14:53
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Angeklagte: "Gott hat sicher nichts gegen einen nackten Frauenkörper"

Linz – Es mag Momente im Leben von Elisa K. geben, in denen die junge Frau einer breiten Öffentlichkeit durchaus aufgeschlossen gegenübersteht. Der Donnerstagvormittag gehörte definitiv nicht dazu. Die unter dem Künstlernamen "Babsi" nebenberuflich im Erotikfach tätige Oberösterreicherin musste sich am Landesgericht Linz für einen pikanten Außendreh in der Pfarrkirche von Hörsching verantworten.

Die Vielzahl an wartenden Journalisten wurde von der vermummten Angeklagten mit erhobenem Mittelfinger begrüßt und mit einem herzhaften "Ihr Oaschlecha" bedacht, vor Richter Klaus-Peter Bittmann beklagte K. dann, dass das Verfahren sowieso "unmenschlich" sei. Die Anklage warf der 29-Jährigen Störung der Religionsausübung und Herabwürdigung religiöser Lehren vor.

Im Juni 2013 und im Mai 2014 wagte "Babsi" vor dem Hörschinger Allerheiligsten den Griff in den Schritt und hielt die Solorunde mit Vibrator und Kreuz auf Video fest. Die Pornos wurden auf drei Internetplattformen zum Verkauf angeboten beziehungsweise zum Download freigegeben. Das fragwürdige Lust-Workout machte so in der Hörschinger Hauptschule die Runde – und den Pfarrer hellhörig. Die Polizei forschte nach Ermittlungen in einschlägigen Kreisen dann die gebürtige Polin aus.

Fünfer in Religion

Staatsanwalt Alfred Schaumüller interessiert vor allem die Frage nach dem Warum. Elisa K. versucht es mit einer Gegenfrage: "Wissen Sie eigentlich, was andere so treiben? Da bin ich ein Engerl." Schaumüller: "Darüber könnte man diskutieren, aber noch einmal: warum in der Kirche?" Sie habe "immer wieder gehört, dass wer Sex in der Kirche hat", und "nicht gewusst, dass so was strafbar ist", entgegnet K. hörbar genervt. "Mir tut das Ganze aber schon leid. Und vor allem dem Pfarrer wollte ich nicht wehtun."

Doch im Lauf des Prozesses werden die Anflüge von Reue konsequent von mangelnder Einsicht gestört. Sie respektiere zwar religiöse Gefühle, aber: "Für mich ist das ein Schmarrn. Ich hatte in Religion auch einen Fünfer. Und Gott hat sicher nichts gegen einen nackten Frauenkörper." Sie handle eben meist nicht wirklich mit dem Kopf, sondern eher nach Gefühl: "Ich habe nicht nachgedacht und würde es heute sicher nicht mehr machen."

Mit stolzgeschwellter Brust

Aber es habe ja aus ihrer Sicht die Gemeinde Hörsching, ja, eigentlich ganz Österreich von den Videos durchaus profitiert: "Alle im Ort kommen sich jetzt gut vor, weil Hörsching berühmt ist. Und die ganze Nation hat das Video angezogen – weil ich es so wahnsinnig gut gemacht habe. Die großen Brüste und so ..."

Aktuell habe sie aber eine Schaffenspause eingelegt, beschwört Elisa K. vor Richter Bittmann: "Ich habe seit vier Monaten kein Video mehr gedreht. Das wäre bei Ihnen sicher auch nicht gut angekommen. Ich arbeite jetzt als Reinigungskraft."

Doch die bedingte Haftstrafe von drei Monaten verputzt K. nur schwer: "Ein Wahnsinn, muss ich jetzt ins Gefängnis?" Richter Bittmann: "Bedingt." Elisa K.: "Wie jetzt?" Bittmann: "Geh bitte: nein." 5.350 Euro, die Hälfte des mit dem Verkauf der Aufnahmen erzielten geschätzten Gewinns, muss die 29-Jährige zurückzahlen, zudem wurde Bewährungshilfe angeordnet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (Markus Rohrhofer, derStandard.at, 11.12.2014)

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