Universitäten rücken im IT-Bereich zusammen

11. Dezember 2014, 11:55
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In Großprojekt soll "akademische Community Cloud" entstehen

Heimische Universitäten basteln seit einem Jahr an einer "akademischen Community Cloud", in der neue IT-Systeme dezentral nutzbar werden sollen. Erste Tests an den beteiligten Unis in Salzburg, Innsbruck und Linz laufen nun an. Studenten, Lehrende und Forscher können ab 2015 auf Ergebnisse des mit fast vier Millionen Euro dotierten Projekts zurückgreifen, erklärte IT-Experte Florin Guma.

Hinter dem mittlerweile weitverbreiteten Begriff des "Cloud Computing" verbirgt sich im Prinzip der Anspruch, dass IT-Systeme - egal ob Hard- oder Software - nicht zwingend an ihrem Einsatzort betrieben werden müssen. In Zeiten steigender Anforderungen an solche Systeme und der schwierigen Finanzlage der Universitäten werde es auch attraktiver, Lösungen standortübergreifend zu entwickeln und anzubieten, so der IT-Chef der Uni Salzburg.

Flexibilität

Angegangen werde die gesamte Bandbreite universitärer IT-Services, nämlich die Bereiche Server, Speicherung sowie die für den Lehr- und Forschungsbetrieb benötigten Software-Plattformen. Die Entwicklungen werden dann den Partnerhochschulen ohne Einschränkungen zur Verfügung stehen. Trotz aller örtlichen Flexibilität wird die zum Projekt gehörige physische Infrastruktur vor allem in Innsbruck und Salzburg stehen, meinte Guma.

Momentan arbeite man etwa an einer "zentralen Ablage für Daten aus Forschungsprojekten". Auch andere, nicht einfach zu administrierende Datenbankdienste werden gemeinschaftlich entwickelt. So müssen nicht überall am Arbeitsmarkt rare Spezialisten für jedes Einzelsystem engagiert werden. Guma: "Wir haben alle miteinander ein ziemliches Problem, weil uns die qualifizierten Leute eigentlich ausgehen." Das Vorhaben biete insgesamt die Möglichkeit, dass sich die jeweiligen Zentralen Informatikdienste der Unis zunehmend spezialisieren.

"ownCloud"

Der Aufbau der Speich"er-Plattform erfolgt auf Basis der frei zugänglichen Software "ownCloud". Mit dem neuen System sollen Forscher, Uni-Lehrer und Studenten zukünftig uni-übergreifend Daten abseits von "freien, nicht geschützten Plattformen" austauschen, wie es Guma ausdrückte. Ein Umweg über Lösungen wie "Dropbox", die von großen Unternehmen weltweit angeboten werden, sei dann nicht mehr notwendig.

Nicht vergessen dürfe man im IT-Bereich das Thema Sicherheit und Datenschutz. Schon allein der Betrieb von Applikationen einer anderen Universität werfe rechtliche Fragen auf, so der Experte. Man achte zwar stark auf Datenschutzbestimmungen. Es zähle aber nicht nur die rechtliche Seite, sondern vor allem das Gefühl der Nutzer in Bezug auf die Sicherheit ihrer Daten und der Systeme.

Neben den Universitäten Salzburg, Innsbruck und Linz beteiligen sich auch das Management Center Innsbruck (MCI) und neuerdings die Freie Universität Bozen (Südtirol) an dem Großvorhaben. 1,2 Millionen Euro der insgesamt vier Millionen stellt das Wissenschaftsministerium im Rahmen des Hochschulmittelstrukturfonds zur Verfügung, hieß es zum Projektstart im Vorjahr.

"App-Shop"

Auf die aktuellen Projektpartner soll das Vorhaben aber nicht beschränkt bleiben. Als Vision schwebt den Beteiligten eine Art "App-Shop" mit IT-Lösungen für heimische Universitäten, Fachhochschulen und andere Bildungseinrichtungen vor. Dort sollen Interessenten einsehen, zu welchen Preisen sie Dienste einkaufen können und mit welchem Aufwand bei der Implementierung und im Betrieb zu rechnen ist. Zu einem derartigen "virtuellen Marktplatz", zu dem alle etwas beisteuern, gebe es laut Guma in der Universitätenlandschaft derzeit eine "aktive Diskussion". Ein Zusammenrücken in der Beschaffung sei insgesamt sehr sinnvoll, denn alle würden ähnliche Systeme brauchen.

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