Hydrologen erzählen die Geschichte der Donau

10. Dezember 2014, 19:06
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420-seitiges Werk reicht vom zeitlichen Ursprung der Donau bis zu den Anforderungen der Gegenwart

Dürnstein/Wien - Wie die Donau entstanden ist, gezähmt, überreguliert und ausgenutzt wurde und wie man sie nun wieder zu revitalisieren versucht, erzählt ein populärwissenschaftliches Buch, das am Mittwoch in Dürnstein (NÖ) vorgestellt wurde. Geschrieben wurde "Österreichs Donau, Landschaft - Fisch - Geschichte" von Forschern des Instituts für Hydrologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur Wien.

Grundlegendes

Das reich mit historischen Bildern und Karten, Grafiken sowie aktuellen Fotos illustrierte 420-seitige Werk umfasst die Geschichte der Donau von ihrer Entstehung in vorgeschichtlichen Zeiten bis heute und beschreibt sie von den Quellen im Schwarzwald bis zur Mündung im Schwarzen Meer. Von der Wasserqualität, über ihre Nutzung und aktuelle ökologische Probleme behandeln die Autoren verschiedenste Aspekte zum vielbesungenen Fluss.

So erfährt man, dass der mit 2.857 Kilometern zweitlängste Fluss Europas das "internationalste Flussgebiet der Welt" hat, welches sich über mehr als 800.000 Quadratkilometer erstreckt und 19 Länder umfasst. Das Buch beschreibt die "Geburt des Donausystems" vor rund 30 Millionen Jahren ebenso, wie die umfangreichen Regulierungen ab dem 19. Jahrhundert und die Entstehung von Kraftwerksketten zur Energiegewinnung im 20. Jahrhundert.

Rascher Wandel

Welche Probleme es brachte, dass der Fluss vor allem zugunsten der Schifffahrt - die aufstrebende Weltstadt Wien musste versorgt werden, und die erforderlichen Mengen konnten damals nur auf dem Wasserweg transportiert werden - und für die Energiegewinnung geformt wurde, beschreiben die Autoren ausführlich. "Um 1900 war die Donau grosso modo eine ganz andere als jahrhundertelang davor. Ausgedehnte Feuchtgebiete waren verschwunden, regelmäßig überflutete Auen vom Hauptstrom abgeschnitten, auf ehemaligen Überflutungsgebieten hatten sich die Siedlungs-, Gewerbe- und Industriegebiete der rasch wachsenden Großstädte ausgebreitet", schreiben sie.

Die größten Verlierer seien die Fische und Berufsfischer, die noch zur Wende zum 20. Jahrhundert allein in Wien die zehnfache Menge an Zander verkauften, als heutzutage österreichweit gefangen wird. Verglichen mit anderen Flüssen der gleichen Größe sei die Wasserqualität der Donau allerdings gut. Das wäre "freilich nicht so sehr dem sorgsamen Umgang der Menschen mit dem Gewässer zu verdanken, als vielmehr dem Wasserreichtum der primär aus den Alpen gespeisten Donau".

Die Lage heute

Die aktuell größten Probleme orten die Autoren in der durchgehenden Stabilisierung und Regulierung des Flussbettes, Kraftwerksanlagen ohne Fischaufstiegshilfen und die Erwärmung der Donau. "Die mittlere Wassertemperatur der Donau nahm in den letzten 100 Jahren um ca. 1,5 Grad Celsius zu, wobei seit ungefähr 1990 ein verstärkter Anstieg zu beobachten ist", erklären sie.

Derzeit sind an der ganzen Donau eine Reihe von Revitalisierungsmaßnahmen im Gang, um den Fluss ökologisch verträglicher zu gestalten, so Mitautor Severin Hohensinner. "Besonders spannend ist die Situation im Nationalpark Donauauen östlich von Wien, weil sich die Donau hier um zwei bis drei Zentimeter im Jahr eintieft", erklärte er. Bekommt man dieses Problem nicht in den Griff, seien die Auwälder dort in wenigen Jahrzehnten Geschichte, weil damit auch der Grundwasserspiegel sinkt und die Auen austrocknen.

Die größten Fortschritte würde man aber derzeit in Gebieten erzielen, die weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen, meint er. Zum Beispiel wurden in der Wachau eine Vielzahl von Schotterinseln aufgeschüttet, verlandete Altarme zu durchströmten Nebenarmen umgebaut und das Kraftwerk Melk bekam ein naturnah gestaltetes "Umgehungsgerinne" für den Fischzug. "Hier sind mittlerweile sehr schöne Ergebnisse vorzuweisen und offensichtlich erholt sich auch die Fischfauna zum ersten Mal", sagte er.

Ganz entspannt

Seit den 1990er Jahren habe auch ein Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden und die Skepsis der Kommunen gegen ökologisch motivierte Maßnahmen abgenommen. "Wenn wo nur eine neue Schotterbank aufgeschüttet werden sollte, gab es Sorgen, dass es dort stinken wird, die vorbeifahrenden Radfahrer ihr Anblick stören könnte und es würde etwa nur zugestimmt, wenn für die Gemeinde auch etwas Schotter abfällt", so Hohensinner.

Nun hätte man den zusätzlichen Freizeitwert solcher Maßnahmen erkannt - denn die Radfahrer setzen sich offensichtlich gerne auf die Schotterbank, um zu rasten, "das Rauschen des Stromes, das Knirschen des Kieses" zu genießen und der Donau beim Fließen zuzusehen, so die Autoren. (APA, derStandard.at, 10. 12. 2014)


"Österreichs Donau, Landschaft - Fisch - Geschichte", herausgegeben von Mathias Jungwirth, Gertrud Haidvogl, Severin Hohensinner, Herwig Waidbacher und Gerald Zauner; Eigenverlag; 420 Seiten; 60 Euro; zu beziehen über das Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement: erika.thaler@boku.ac.at

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