Fast eine halbe Million Menschen werden jedes Jahr umgebracht

10. Dezember 2014, 17:19
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Weltweiter Rückgang bei Tötungsdelikten seit 2000 – Männer zwischen 15 und 44 besonders gefährdet, in Österreich sind Senioren oft Gewalt ausgesetzt

Genf - Fast ein halbe Million Menschen kamen im Jahr 2012 durch Tötungsdelikte ums Leben. Das ist die Bilanz der von den UN-Organisationen WHO, UNODC und UNDP vorgelegten Studie "Global status report on violence prevention". Als Konsequenz appellierten Vertreter der drei Einrichtungen am Mittwoch an Regierungen, mehr zur vorbeugenden Bekämpfung von Gewalt zu tun.

Besonders groß ist demnach das statistische Gewaltrisiko für Männer: In der Gruppe der 15- bis 44-Jährigen seien Mord und Totschlag die dritthäufigste Todesursache. Die größte Geschlechterdifferenz herrscht bei den 14- bis 29-Jährigen: 18,2 von 100.000 Männern aus dieser Kohorte starben durch die Hand eines anderen, aber nur 2,7 von 100.000 gleichaltrigen Frauen.

Tötungsrate deutlich gesunken

Die höchste Rate nach Regionen verzeichnet Amerika mit 28,5 Tötungen pro 100.000 Einwohnern, gefolgt von Afrika mit 10,9 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Am Ende der Liste steht Europa mit 3,8 Tötungen pro 100.000 Einwohnern.

Zudem leiden Millionen von Frauen und Kindern in den 133 untersuchten Ländern, darunter auch Österreich, unter Gewalt. Jedes vierte Kind erleide Misshandlungen, jedes fünfte Mädchen werde sexuell missbraucht, und jede dritte Frau erfahre mindestens einmal im Leben physische oder sexuelle Gewalt durch ihren Intimpartner. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Den Schätzungen zufolge ist die Mordrate von 2000 bis 2012 weltweit um 16 Prozent auf rund 475.000 Menschen gesunken.

Österreichs unwürdiger Umgang mit Älteren

Österreich fällt vor allem negativ auf, wenn es um Misshandlung von Menschen über 60 geht. Der Bericht räumt ein, dass dieses Thema weniger umfassend untersucht wurde als andere und dass die einzig verfügbare weltweite Schätzung besage, dass sechs Prozent älterer Menschen angegeben hätten, im vergangenen Monat signifikant misshandelt worden zu sein.

Nationale Studien in Ländern mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen hätten ein breites Spektrum ergeben. So seien ältere Menschen in Privathaushalten in Spanien kaum misshandelt worden (0,8 Prozent), in Großbritannien waren es auch nur 2,6 Prozent. Am anderen Ende der Skala standen Israel mit 18 und Österreich mit 23,8 Prozent. Lediglich Belgien hatte einen noch schlechteren Wert mit 32 Prozent Misshandelten unter älteren Menschen in Privathaushalten.

Interpersonelle Gewalt

Der Studie zufolge gibt es in fast allen Staaten Gesetze gegen Vergewaltigung und in den meisten auch gegen häusliche Gewalt. Doch nur die Hälfte der Staaten setze sie auch um. An der Studie waren Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des Entwicklungsprogramms (UNDP) und des Büros zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) beteiligt.

Bei der Breite der Erhebung muss die Diversität der Quelldaten berücksichtigt werden. So stammen die Daten für Österreich von der Statistik Austria und beziehen sich auf die nationale Rechtslage im Bereich vorsätzlicher Tötungsdelikte. Juristische Begriffe wie "Mord" und "Totschlag" können aber transnational nicht deckungsgleich verstanden werden. Sogar für die Mehrzahl der Länder liegen zudem keine nutzbaren offiziellen Zahlen vor, und es wurde mit Schätzungen gearbeitet.

Die Studie legt laut den Autoren ihren Fokus auf "interpersonelle Gewalt", also Gewalt, die zwischen Familienmitgliedern, Lebenspartnern, Freunden, Bekannten und Unbekannten geschieht. Todesopfer aus strukturellen Konflikten wie Kriegen und Terroranschlägen wurden nicht einbezogen. (APA, red, 10.12.2014)

  • 6,7 von 100.000 Menschen kamen 2012 durch ein Tötungsdelikt ums Leben.
    foto: reuters/ralph orlowski

    6,7 von 100.000 Menschen kamen 2012 durch ein Tötungsdelikt ums Leben.

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