Seychellenpalme: Wer hat die Popo-Nuss gestohlen?

10. Dezember 2014, 15:48
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Diebe haben es auf die seltene Pflanze abgesehen, die von Touristen gerne als Souvenir mit nach Hause genommen wird

Der Samen der höchst seltenen Seychellenpalme Lodoicea maldivica trägt wegen seiner wohlgeformten Gestalt, die verblüffend stark an einen weiblichen Hintern erinnert, den Spitznamen Popo-Nuss. Die Pflanze wächst nur auf den Seychellen im Indischen Ozean. Und sie ist immer seltener zu finden. So fragt sich der halbe Inselstaat besorgt: Wer hat die Popo-Nuss gestohlen?

Weil die Pflanze ungeachtet ihrer drallen Samenform selbst zu den Fortpflanzungsmuffeln zählt, machen sich Experten Sorgen um ihren Fortbestand

Die Diebe kommen stets in der Nacht, bahnen sich ihren Weg durch den bergigen Tropenwald auf der Insel Praslin. Haben sie eine Seychellenpalme entdeckt, schlagen sie die Früchte ab, und verschwinden ohne weitere Spuren zu hinterlassen. Seit Anfang des Jahres sind aus dem Mai-Tal der Insel, einem UNESCO-Naturerbe, schon 40 der Riesennüsse von bis zu 35 Kilogramm Gewicht gestohlen worden. Allein 20 waren es im Oktober.

Sorgen um den Fortbestand

"Schock und Horror" titelte die Nachrichtenagentur der Insel alarmiert. Weil die Pflanze ungeachtet ihrer drallen Samenform selbst zu den Fortpflanzungsmuffeln zählt, machen sich Experten Sorgen um ihren Fortbestand. Die Weltnaturschutzunion (IUNC) hat sie auf ihre Rote Liste gesetzt.

Die Seychellenpalme wächst in dem bergigen Tropenwald der Insel Praslin.

Ein Problem ist nicht nur der Diebstahl an sich. Indem die Nussräuber die Früchte abschlagen, schaden sie auch den Palmen. "Früher hatten wir 75 Nüsse pro Baum, inzwischen sind es nur noch 25", erklärte Victorin Laboudallon von der Inselstiftung SIF, die sich um die letzten 17.000 Seychellenpalmen auf Praslin kümmert. "Die Bäume tragen einfach nicht mehr so viel, wenn sie abgeschnitten wurden."

"Kokosnuss des Meeres"

Die Seychellennuss, die bis zu einem halben Meter lang wird, wird schon seit Jahrhunderten bestaunt. Entdeckt wurde sie zunächst nur im Meer treibend oder an die weißen Sandstrände des Indischen Ozean angespült, was ihr den Namen Kokosnuss des Meeres eintrug. Erst im 17. Jahrhundert wurde ihr Ursprung auf die beiden Seychelleninseln Praslin und Curieuse zurückverfolgt.

Eine Impression von der Seychelleninsel Praslin

Nach einem Dornröschenschlaf geriet Lodoicea maldivica seit der Unabhängigkeit der Inselgruppe 1976 und dem folgenden Tourismus-Boom wieder mehr in den Blick. Sie ist nicht nur ein spektakuläres Souvenir, sondern ist in Asien, insbesondere in China ein begehrtes Aphrodisiakum. Als der britische Prinz William und seine Ehefrau Kate 2011 ihre Flitterwochen auf den Seychellen verbrachten, erhielten sie als Andenken eine Popo-Nuss. Bei einer Christie's-Auktion in Paris kam ein besonders schönes Exemplar für 11.000 Euro unter den Hammer.

Die Regierung hat den Handel mit den Nüssen inzwischen strikten Regeln unterworfen. Umso lauter war bei Umweltschützern der Aufschrei, als die bedrohte Frucht kürzlich bei einem vom Kulturministerium geförderten kulinarischen Fest im Mittelpunkt stand: Eis, Pudding und andere Leckereien waren mit dem eigentlich recht faden Fleisch der Seychellennuss zubereitet.

Einschlägiges Gesetz in Vorbereitung

Sie sei nicht gegen Werbeveranstaltungen für die Seychellen, betonte Frauke Dogley von der SIF. Doch die Nuss als Köstlichkeit darzustellen könne eine verheerende Nachfrage schaffen. "Wenn Seychellennüsse morgen auf den Speisekarten aller Restaurants stehen, was machen wir dann?"

Das Umweltministerium verspricht, es habe alles unter Kontrolle, ein Gesetz sei in Vorbereitung, um den Verzehr der Frucht zu begrenzen. Auch gegen den Schmuggel der Nüsse außer Landes gehen die Behörden inzwischen mit großem Aufwand vor: Am Flughafen von Victoria wurden Röntgen-Scanner installiert, die in Koffern und Rucksäcken versteckte Riesennüsse aufspüren sollen. (APA, red, derStandard.at, 10.12.2014)

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