Europäischer Filmpreis: Lars von Triers "Nymphomaniac" unter Favoriten 

10. Dezember 2014, 14:03
posten

Gala am Samstagabend in Riga - Hubert Sauper mit "We Come As Friends" nominiert - "Das finstere Tal" bereits doppelt ausgezeichnet

Riga - Der dänische Regisseur Lars von Trier gehört mit seinem Sexdrama "Nymphomaniac" zu den Favoriten für den 27. Europäischen Filmpreis. Wenn am Samstag in der lettischen Hauptstadt Riga die Trophäe für den besten europäischen Spielfilm vergeben wird, hat aber auch ein polnisches Roadmovie über eine junge Novizin Chancen auf den Hauptpreis: Pawel Pawlikowskis Schwarzweiß-Drama "Ida".

Österreicher sind wie schon im Vorjahr in der Königskategorie nicht präsent - und das, obwohl viel gelobte und auf Festivals weit gereiste Produktionen wie Jessica Hausners Kammerspiel "Amour Fou", Sudabeh Mortezais Spielfilmdebüt "Macondo" und Andreas Prochaskas Alpenwestern "Das finstere Tal" in der Vorauswahl waren. Letzterer erhielt dafür im Vorfeld zwei der von einer Jury vergebenen Filmpreise in den Kategorien bestes Szenenbild (Claus-Rudolf Amler) und bestes Kostümbild (Natascha Curtius-Noss). Zuletzt ging der Hauptpreis im Jahr 2012 nach Österreich: Auf Malta triumphierte Michael Haneke mit seinem Sterbedrama "Amour" in den Kategorien Bester Film, Regie, Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin.

Einzig in der Dokumentarfilm-Kategorie dürfen sich heuer unter anderem der österreichische Regisseur Hubert Sauper mit "We Come As Friends" sowie der Stuttgarter Marc Bauder mit der deutsch-österreichischen Koproduktion "Master of the Universe" Hoffnungen auf einen Preis machen.

Auch "Winterschlaf" für Hauptpreis nominiert

In der Kategorie Bester Spielfilm setzen die 3.000 Akademie-Mitglieder, die über die Gewinner entscheiden, augenscheinlich mehr auf Kunst als auf Kassenknüller. Von Triers Film ist in der fünfeinhalb Stunden langen Version "Nymphomaniac Director's Cut - Volume I & II" nominiert. Die Hauptdarsteller des Werks, Charlotte Gainsbourg und Stellan Skarsgard, gehen in der Kategorie beste Schauspieler an den Start. Zu den fünf für den Hauptpreis nominierten Filmen gehört auch der dreistündige Cannes-Gewinner "Winterschlaf". Das Werk des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan über die Lebenskrise eines Intellektuellen startet voraussichtlich im Februar in den österreichischen Kinos.

Am 23. Jänner läuft dann auch der schwedische Filmpreis-Anwärter "Höhere Gewalt" hierzulande an: Ruben Östlund erzählt darin von einer Familie, deren Leben nach einem Lawinenabgang aus der Bahn gerät - weil der Vater panisch flüchtet, statt seine Kinder zu beschützen. Ebenfalls im Rennen sind Pawel Pawlikowskis "Ida" (Polen) sowie "Leviathan" von Andrey Zvyagintsev (Russland), die insgesamt auf fünf respektive vier Nominierungen kommen. Chancen auf je drei Auszeichnungen haben indes "Nymphomaniac" sowie "Winterschlaf" und Steven Knights Ein-Mann-Drama "Locke". (APA, 10.12.2014)

Die Liste der Nominierten

Bester Spielfilm:

- "Nymphomaniac Director's Cut - Volume I & II" von Lars von Trier (Dänemark)
- "Ida" von Pawel Pawlikowski (Polen)
- "Winterschlaf" von Nuri Bilge Ceylan (Türkei)
- "Leviathan" von Andrey Zvyagintsev (Russland)
- "Höhere Gewalt" von Ruben Östlund (Schweden)

Beste Komödie:

- "Carmina & Amen" von Paco Leon (Spanien)
- "Le Week-End" von Roger Michell (Großbritannien)
- "The Mafia only kills in the Summer" von Pierfrancesco Diliberto (Italien)

Beste Schauspielerin:

- Charlotte Gainsbourg ("Nymphomaniac Director's Cut - Volume I & II")
- Marion Cotillard ("Zwei Tage, eine Nacht")
- Valeria Bruni Tedeschi ("Human Capital")
- Agata Kulesza ("Ida")
- Agata Trzebuchowska ("Ida")
- Marian Alvarez ("Wounded")

Bester Schauspieler:

- Stellan Skarsgard ("Nymphomaniac Director's Cut - Volume I & II")
- Timothy Spall ("Mr. Turner - Meister des Lichts")
- Brendan Gleeson ("Am Sonntag bist du tot")
- Tom Hardy ("No turning back")
- Alexey Serebryakov ("Leviathan")

Bester Dokumentarfilm:

- "Master of the Universe" von Marc Bauder (Deutschland/Österreich)
- "We come as Friends" von Hubert Sauper (Österreich)
- "Of Men and War" von Laurent Becue-Renard (Frankreich)
- "Sacro GRA" von Gianfranco Rosi (Italien)
- "Waiting for August" von Teodora Ana Mihai (Belgien)
- "Just the right amount of violence" von Jon Bang Carlsen (Dänemark)

Bester Animationsfilm:

- "Jack und das Kuckucksuhrherz" von Mathias Malzieu, Stephane Berla (Frankreich)
- "Miniscule - Valley of the lost Ants" von Thomas Szabo, Helene Giraud (Frankreich)
- "Die Kunst des Glücks" von Alessandro Rak (Italien)

Bester Regisseur:

- Nuri Bilge Ceylan ("Winterschlaf")
- Pawel Pawlikowski ("Ida")
- Steven Knight ("No turning back")
- Ruben Östlund ("Höhere Gewalt")
- Paolo Virzi ("Human Capital")
- Andrey Zvyagintsev ("Leviathan")

Bestes Drehbuch:

- Ebru Ceylan, Nuri Bilge Ceylan ("Winterschlaf")
- Pawel Pawlikowski, Rebecca Lenkiewicz ("Ida")
- Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne ("Zwei Tage, eine Nacht")
- Steven Knight ("No turning back")
- Oleg Negin, Andrey Zvyagintsev ("Leviathan")

Bester Debütfilm:

- "71" von Yann Demange (Großbritannien)
- "10,000 km" von Carlos Marques-Marcet (Spanien)
- "Party Girl" von Marie Amachoukeli, Claire Burger, Samuel Theis (Frankreich)
- "The Tribe" von Myroslav Slaboshpytskiy (Ukraine)
- "Wounded" von Fernando Franco (Spanien)

Folgende Preisträger stehen bereits fest:

Lebenswerk: Agnes Varda (Frankreich)
Europäischer Beitrag zum Weltkino: Steve McQueen (Großbritannien)
Bestes Szenenbild: Claus-Rudolf Amler ("Das finstere Tal")
Bestes Kostümbild: Natascha Curtius-Noss ("Das finstere Tal")
Beste Filmmusik: Mica Levi ("Under the skin")
Beste Kamera: Lukasz Zal, Ryszard Lenczewski ("Ida")
Bester Schnitt: Justine Wright ("No turning back")
Bestes Sounddesign: Joakim Sundström ("Starred up") (APA, 10.12.2014)

Link

European Film Awards

Weiterlesen

Europäischer Filmpreis: Agnes Varda wird für Lebenswerk ausgezeichnet

Share if you care.