Palästinenser-Minister stirbt nach Streit mit israelischen Soldaten

10. Dezember 2014, 13:26
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Krankenhaus in Ramallah: Abu Ein starb nach heftigen Schlägen auf die Brust

Ramallah - Im Westjordanland ist ein palästinensischer Minister nach einem Gerangel mit israelischen Soldaten während einer Protestkundgebung gestorben. Ziad Abu Ein, ein Minister ohne Geschäftsbereich, wurde in dem Dorf Turmusiya bei Ramallah von Soldaten geschlagen und gestoßen.

Danach wurde der Fatah-Politiker in einem Krankenwagen abtransportiert. Auf dem Weg in die nahegelegene Stadt Ramallah sei der Minister gestorben, berichtete ein Sanitäter. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas nannte Abu Eins Tod einen "barbarischen Akt", zu dem die Palästinenserführung nicht schweigen und den sie nicht hinnehmen könne. Das israelische Militär erklärte, der Vorfall werde untersucht.

Aktivisten wollten Bäume pflanzen

Rund 100 palästinensische und ausländische Aktivisten waren auf dem Weg zu einer jüdischen Siedlung bei Ramallah im von Israel besetzten Westjordanland. Aus Protest gegen die Siedlungspolitik Israels, die auch international auf Kritik stößt, wollten sie Bäume pflanzen. An einem Kontrollposten stoppten rund 15 israelische Soldaten die Demonstranten und feuerten Tränengas ab. Es kam zu einem Handgemenge.

Zu der Kundgebung hatte das von der Palästinenserregierung unterhaltene Komitee zum Widerstand gegen die Siedlungen und die Mauer aufgerufen, das Abu Ein leitete. Der Minister wurde während eines heftigen Streits mit zwei Soldaten von einer Hand im Nacken getroffen. Kurz darauf brachten ihn Sanitäter weg.

"Heftige Schläge auf die Brust"

"Todesursache waren heftige Schläge auf die Brust", sagte Ahmed Bitaui, Direktor im Zentralkrankenhaus von Ramallah, der Nachrichtenagentur AFP. Auf Fotoaufnahmen sei zu erkennen, dass Abu Ein von den Soldaten bedrängt wurde, berichtete die Agentur. Nach einem Wortgefecht zwischen Abu Ein und Soldaten, sei der palästinensische Politiker von den Soldaten geschubst und gewürgt worden, wie AFP-Fotos belegen. Danach brach der 55-jährige zusammen.

Palästinenserpräsident Abbas verhängte eine dreitägige Staatstrauer. Nach einer Untersuchung des Vorfalls würden die "notwendigen Schritte" unternommen, erklärte er. In Ramallah schlossen Händler ihre Geschäfte aus Protest gegen den Tod des Ministers. Jugendliche warfen nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte Steine auf israelische Soldaten, die eine jüdische Siedlung bei Ramallah bewachten.

Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern haben in den vergangenen Wochen wieder zugenommen, nachdem zehn Israelis und ein Ausländer bei palästinensischen Angriffen ums Leben gekommen waren. Im selben Zeitraum wurde ein Dutzend Palästinenser getötet, die meisten von ihnen sollen an den Angriffen beteiligt gewesen sein. (APA/Reuters, 10.12.2014)

  • Abu Ein starb nach diesem Gerangel mit israelischen Soldaten.
    foto: reuters/torokman

    Abu Ein starb nach diesem Gerangel mit israelischen Soldaten.

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