Acht Fragen und Antworten zum Kärntner HCB-Skandal

10. Dezember 2014, 05:30
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Ist Ungarns Warnung vor österreichischen Milchprodukten gerechtfertigt, und warum ist HCB gefährlich?

Frage: Die Causa um erhöhte Belastung mit dem Umweltgift Hexachlorbenzol (HCB) im Kärntner Görtschitztal zieht weite Kreise. Am Dienstag warnte Ungarns Agrarminister vor österreichischen Milchprodukten. Ist das gerechtfertigt?

Antwort: Das heimische Landwirtschaftsministerium bestrafte Ungarn mit Schweigen. Produkte seien niemals in den Export gelangt, hieß es bei "Sonnenalm", der betroffenen Kleinmolkerei im Bezirk St. Veit. Der Betrieb ist derzeit eingestellt.

Frage: Wie geht es weiter?

Antwort: Nachdem Greenpeace aufgedeckt hat, dass kontaminierte Milchprodukte in den regionalen Handel gelangt sind, wurde der Kontrollbereich ausgeweitet. Im Rahmen eines begleitenden Monitoringsystems werden auch Milchprodukte weiterer Bauernhöfe untersucht. Die Landesregierung kündigte Bluttests für die betroffene Bevölkerung an.

Frage: Welche Grenzwerte gibt es?

Antwort: Der Grenzwert für HCB in Milch beträgt zehn Mikrogramm pro Kilo Rohmilch, gerechnet auf vier Prozent Fett. In Kärnten wurde zuletzt der doppelte Wert gemessen.

Frage: Gibt es abseits des Görtschitztals weitere positive Proben?

Antwort: Ja, sagt der Kärntner Landesveterinär Holger Remert. Andere Regionen in Österreich seien sogar stärker betroffen. Welche, wollte er nicht verraten. Er verwies auf das Umweltbundesamt. Dort allerdings hieß es laut Austria Presse Agentur, dass die Bodenzustandsinventur in einigen Bundesländern bereits vor mehreren Jahren durchgeführt wurde.

Frage: Was genau ist HCB überhaupt?

Antwort: Hexachlorbenzol ist ein farbloses Pulver, das über Pestizide oder bei unsauberen Verbrennungsvorgängen, wie es in Kärnten der Fall sein dürfte, in die Umwelt gelangt. Es zählt zum Dreckigen Dutzend ("Dirty Dozen") der zwölf giftigsten Industriechemikalien überhaupt, die 2001 im Stockholmer Übereinkommen weltweit verboten wurden. In Österreich wurde HCB bereits in den 1990er-Jahren verboten.

Frage: Was macht HCB so gefährlich?

Antwort: Der Stoff wird bei kontinuierlicher Aufnahme im Fettgewebe angereichert und gilt als hochgradig krebserregend, vor allem in Niere, Leber und Schilddrüse. Es steht darüber hinaus im Verdacht, mehrere Stoffwechselerkrankungen auszulösen und kann über die Mutter auch an das ungeborene Kind weitergegeben werden.

Frage: Sind auch Tiere gefährdet?

Antwort: Ja natürlich. Neben den Kühen im Görtschitztal, von denen die kontaminierte Milch stammt, wurden erhöhte HCB-Werte auch schon bei Rotwild in der Region festgestellt.

Frage: Wie kam das HCB in die Milch?

Antwort: Vermutlich über Emissionen aus der Verbrennung von Blaukalk bei den Wietersdorfer Zementwerken. Das Unternehmen hatte den legalen Auftrag von der Donau Chemie, den Inhalt der Giftmülldeponie in Brückl zu entsorgen. Ob, wie Greenpeace behauptet, bei zu niedrigen Temperaturen verbrannt wurde, wird noch geprüft. Theoretisch könnte der belastete Kalk schon beim Transport "verblasen" worden sein. (fbay, simo, DER STANDARD, 10.12.2014)

  • Probengefäße an einem Massenspektrometer, wie er verwendet, wird um Proben auf  das Umweltgift HCB zu testen.
    foto: apa/roland schlager

    Probengefäße an einem Massenspektrometer, wie er verwendet, wird um Proben auf das Umweltgift HCB zu testen.

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