Rätsel um Aeolis Mons dürfte gelöst sein 

9. Dezember 2014, 17:34
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Mars-Rover Curiosity landete vor zwei Jahren im Krater Gale, in dessen Mitte Aeolis Mons 5000 Meter hoch emporragt. Nun gibt es Hinweise, dass im Krater einst ein See war

Washington - Fünf Jahre lang hatten Nasa-Wissenschafter gegrübelt, wo das Mars Science Laboratory - vulgo: Mars-Rover Curiosity - im August 2012 landen soll. Aus über 100 Zielen, die ins Auge gefasst wurden, wählte man schließlich den Gale-Krater aus. Das ist eine 150 Kilometer breite Vertiefung, die in einer frühen Phase der Marsgeschichte durch einen Meteoriteneinschlag entstand und aus der ein 5000 Meter hoher Berg emporragt: Aeolis Mons.

foto: nasa
Blick vom Mars-Rover Curiosity aus der Tiefebene des Gale-Krater auf den rund 5000 Meter hohen Aeolis Mons. Jüngste Aufnahmen des Gesteins legen nun nahe, dass der Krater früher von einem See bedeckt war, der nach und nach mit Sedimenten angefüllt wurde.

Wasser im Krater?

Die Wahl fiel vor allem deshalb auf diesen Krater, weil sein Boden sehr tief liegt und sich sehr viele Schichten unterschiedlichen Materials abgelagert haben, darunter auch Tonminerale und Sulfate, die unter dem Einfluss von Wasser entstehen. Von diesen Schichten erhofft man sich Erkenntnisse über die Geschichte des Klimas und der Atmosphäre - und nicht zuletzt darüber, ob es Leben auf dem Mars gegeben hat.

Wie die jüngsten Berichte von Curiosity zeigen, die von der Nasa am Montag veröffentlicht wurden, war der Landeort gut gewählt: Nachdem Curiosity den Großteil dieses Jahres mit der Fahrt zum Fuß von Aeolis Mons verbrachte, hat der Rover im September ein mehr als sechs Zentimeter tiefes Loch gegraben; die Analysen stehen indes noch aus. Curiositys neueste Aufnahmen lassen hingegen darauf schließen, wie Aeolis Mons wahrscheinlich entstanden ist. Das Spannende an der neuen Theorie: Sie impliziert, dass es früher einmal Wasser im Krater gegeben haben muss, und zwar für einen ziemlich langen Zeitraum.

Typische Sedimentstruktur

Den stärksten Beweis für die Theorie liefern Bilder von der feinen Sedimentstruktur und insbesondere: deren Neigungswinkel. Die seien typisch für einen Prozess, der sich über Jahrmillionen Jahre lang im Gale-Krater abgespielt haben dürfte: Wasser muss von den Kraterrändern ins Innere geströmt sein und hat im Inneren eine Sedimentschicht nach der anderen aufgetürmt - ohne dass noch etwas von einem Berg zu sehen war. Aeolis Mons, der von der Nasa nicht ganz korrekt Mount Sharp genannt wird, sei dann erst durch Winde aus den Sedimenten herauspräpariert worden.

foto: nasa
Sedimentschichten am Fuße des Berges liefern die neue Hinweise.

Die Implikationen dieser Hypothese sind weitreichend: Das würde nämlich bedeuten, dass es auf dem Mars in den ersten zwei Milliarden Jahren seiner Existenz viel wärmer und feuchter war als angenommen. Und womöglich hat er sogar einen Ozean besessen.

Eine Klärung dieser Fragen erhoffen sich die Nasa-Forscher durch die nächsten Aktivitäten des Mars-Rovers: Er wird nämlich den Berg hinauffahren und den Untergrund weiter analysieren. Das soll dazu dienen, mehr über die Bildung der Sedimente und das Verschwinden der Seen auf dem Mars zu erfahren.

nasa jet propulsion laboratory
Curiosity Rover Report: The Making of Mount Sharp (Dec. 8, 2014)

Blick vom Mars-Rover Curiosity aus der Tiefebene des Gale-Krater auf den rund 5000 Meter hohen Aeolis Mons. Jüngste Aufnahmen des Gesteins legen nun nahe, dass der Krater früher von einem See bedeckt war, der nach und nach mit Sedimenten angefüllt wurde. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 10.12.2014)

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