Staatsanwalt forderte für Karl Dall zwei Jahre Haft auf Bewährung 

9. Dezember 2014, 15:42
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Vergewaltigungsprozess in Zürich gegen 73-Jährigen Entertainer

Zürich (APA/dpa/sda) - Im Vergewaltigungsprozess gegen den deutschen Comedy-Star Karl Dall hat die Staatsanwaltschaft eine Strafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung gefordert. Dall sei wegen Vergewaltigung und versuchter Nötigung einer Schweizer Journalistin schuldig zu sprechen, forderte die Anklagevertretung am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich-Limmat. Der 73-jährige Entertainer hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Es sei zwischen ihm und der Klägerin niemals zu sexuellen Handlungen gekommen, betonte Dall.

"Am Anfang war es ein guter Abend"

Die rund 30 Jahre jüngere Frau hatte ihn vor einem Jahr angezeigt. Demnach soll Dall sie Anfang September 2013 in einem Zürcher Hotel mit Gewalt zum Sex gezwungen haben. Bei der Befragung ist die 43-Jährige bei ihren Aussagen geblieben: "Am Anfang war es ein guter Abend. Dann wurde es die schlimmste Nacht meines Lebens." Die Glaubwürdigkeit der Frau, die in dem Prozess auch als Privatklägerin auftritt, erscheine zwar nicht besonders groß, räumte der Staatsanwalt ein. Zudem stehe Aussage gegen Aussage. Dies mache aber eine Vergewaltigung "nicht von Anfang an unmöglich". Die Aussagen der Frau bei ihrer polizeilichen Vernehmung seien zudem durchaus plausibel.

Vier Tage U-Haft

Dall hatte die Frau im Zusammenhang mit einem Interview kennengelernt. In der Nacht auf den 6. September 2013 soll er sich laut Anklage dann an ihr vergangen haben. Die 43-Jährige erstattete zwei Monate später Anzeige. Die Polizei nahm Dall Anfang November 2013 nach einem Auftritt in St. Gallen fest, er saß vier Tage in Untersuchungshaft. Laut Schweizer Medienberichten ist die Frau mehrfach als Stalkerin in Erscheinung getreten. Wie vor Gericht bekannt wurde, ist ihre Anzeige nicht die einzige in diesem Fall: Der 73-jährige Dall reichte mittlerweile auch Anzeige gegen das mutmaßliche Opfer ein.

"Granate im Bett"

Dies, weil die Frau in der fraglichen Nacht heimlich Gespräche aufgezeichnet und das Hotelzimmer fotografiert hatte. Auf einer Ton-Aufnahme soll Dall gesagt haben, dass sie "eine Granate im Bett" sei. Dies habe er nur getan, damit sie endlich Ruhe gebe und gehe, erklärte Dall das Kompliment. Die Erklärung Dalls sei nicht glaubhaft, so die Staatsanwaltschaft. "Wieso soll sie sich über ein solches Kompliment freuen, wenn es gar keinen Sex gab?" Zweifellos habe die Geschädigte "mehr oder weniger zwanghaft" die Nähe zu Prominenten gesucht. Sie habe es wohl auch ganz gezielt auf Dall abgesehen gehabt. Das mache ihre Aussagen aber nicht weniger glaubhaft, sagte der Staatsanwalt. Der Anwalt der mutmaßlichen Geschädigten forderte Schadenersatz in der Höhe von 32.000 Franken (26.600 Euro) und eine Genugtuung von 20.000 Franken (16.600 Euro). (APA, dpa, sda, 9.12.2014)

  • TV-Entertainer Karl Dall vor Gericht in Zürich.
    foto: ap / walter bieri

    TV-Entertainer Karl Dall vor Gericht in Zürich.

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