Heinisch-Hosek will mehr Wirtschaftsunterricht

9. Dezember 2014, 15:29
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Unterrichtsministerin kann sich eigenes Pflichtmodul wie bei Politischer Bildung vorstellen

Wien - Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will den Wirtschaftsunterricht an den Schulen stärken. Derzeit ist dieser eines von zwölf Unterrichtsprinzipien, durch einen Grundsatzerlass soll künftig detaillierter geregelt werden, wie den Schülern Finanz- und Wirtschaftswissen fächerübergreifend vermittelt werden kann, kündigte sie am Dienstag an.

Man könne auch darüber nachdenken, ob Wirtschafts- und Verbrauchererziehung nicht - wie bei der Politischen Bildung ab 2015/16 - als eigenes Pflichtmodul in bestehenden Unterrichtsfächern verankert werden könnte. Als Beispiel nannte sie Geografie und Wirtschaftskunde. "Ich bin dem nicht abgeneigt", sagte die Ministerin. Immerhin sei vor allem an den AHS-Oberstufen mehr Vermittlung von Wirtschaftskompetenzen nötig. Allerdings müsse klar sein, dass für ein solches Modell auch mehr Lehrerstunden nötig wären.

Kein eigenes Fach

Ein eigenes Fach Wirtschaft lehnte Heinisch-Hosek hingegen bei der Pressekonferenz mit Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zum Zehn-Jahres-Jubiläum des Unternehmerführerscheins ab. "Das würde auf eine Wochenstunde beschränken, was überall Eingang finden sollte." Auch Leitl ist ein eigenes Fach kein Anliegen, er forderte stattdessen ein neues Verständnis dafür, dass die Schüler in allen Fächern mit wirtschaftlichen Zusammenhängen vertraut gemacht werden sollten.

Zehn Jahre Unternehmensführerschein

Der sogenannte Unternehmerführerschein ist für die beiden ein Erfolg: In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als 26.000 junge Menschen eines oder mehrere der vier Module absolviert. Die Ausbildung wird derzeit für Schüler ab der achten Schulstufe bzw. in der Erwachsenenbildung angeboten, insgesamt wurden 51.000 Modulzertifikate ausgestellt. Dabei lernen die Teilnehmer allgemeine Wirtschaftskompetenzen wie Finanz- und Volkswirtschaft, Unternehmensführung und Marktfragen und individuelle Wirtschaftskompetenzen wie zum Beispiel Konsumentenerziehung.

Als der Unternehmerführerschein 2004 gestartet wurde, sei "Österreich in Wirtschaftswissen ganz unten in der europäischen Statistik" gewesen, sagte Leitl. Als Reaktion hat die Wirtschaftskammer damals ein Kompendium an Materialien zusammengestellt, das Basis für die Ausbildung ist und von Lehrern vermittelt wird. Mittlerweile sei man damit zum Best-Practice-Modell in Europa aufgestiegen. "Würde ich das gefragt, würde ich es nicht schaffen", lobte Leitl das hohe Niveau des "Führerscheins für Unternehmenssteuerung". Dieser sei nicht nur ein Startvorteil bei Jobbewerbungen, 20 Prozent der Absolventen würden auch eigene Unternehmen gründen. (APA, 9.12.2014)

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